Der Mercedes Arocs SLT ist pure Muskelkraft
KRAFTPROTZ Für den Baustelleneinsatz konzipiert, ist der robuste Mercedes-Benz Arocs auch als massgefertigte Schwerlastvariante SLT erhältlich. Vom Ziehen extrem schwerer Kompositionen bis zum Dauereinsatz in Rohstoffminen am «Ende der Welt» überzeugt der SLT vor allem mit seiner Zuverlässigkeit.

Seit 25 Jahren verantwortet die Geschäftseinheit Mercedes-Benz Custom Tailored Trucks (CTT) den Umbau von Fahrzeugen gemäss individuellen Kundenwünschen. Die Expertenteams bedienen dabei seit einem Vierteljahrhundert von neun verschiedenen Standorten aus besondere Anfragen aus nahezu aller Welt. Von Chassisanpassungen, Radformeländerungen und Kabinenanpassungen bis hin zur Konfiguration individueller Gesamtfahrzeuge, wie beispielsweise der hier gezeigten Arocs-Schwerlastvariante SLT – CTT realisiert Lkw-Varianten, die über das reguläre Serienangebot der Mercedes-Benz Lkw hinausgehen.
Der speziell für besonders schwere Lasten entwickelte Arocs SLT bewegt mit seinen kraftvollen Dieselmotoren OM 471 oder OM 473 bis zu 500 Tonnen Gesamtgewicht bis zur Baustelle und ist hierfür mit einer überaus robusten Fahrwerks-, Federungs- und Rahmenkonstruktion ausgestattet. Optional lässt sich in der Variante mit Vierbalg-Luftfederung und Anhängerkupplung auch eine Anhängelast von bis zu 1000 Tonnen erreichen.

Arocs SLT begeistert seit über zwei Jahren
Einer der ersten Mercedes-Benz Arocs SLT 4463 AS 8×6 mit einer maximalen Anhängelast von 1000 Tonnen für den Schwerlastspezialisten Baumann wurde Ende 2023 in Molsheim nahe der deutsch-französischen Grenze, nur 100 km vom grössten Mercedes-Benz-Trucks-Werk in Wörth entfernt, und bei einem der Partner, der Firma Paul, gefertigt. Im CTT-Werk Molsheim erhielt das Fahrzeug die Vorlaufachse mit Anfahrhilfe durch Entlastungssteuerung. Ausserdem wurden Sattelkupplung, Schwerlastverschiebeeinrichtung und die Schwerlastanhängevorrichtungen vorn und hinten nachgerüstet. Dazu kamen das SLT-Gestell hinter dem Fahrerhaus mit Zusatzkühlanlage, ein 900-Liter-Treibstofftank und die Hydraulikanlage für die Aufliegerlenkung. Das Umbau-Team der Firma Paul ersetzte dann das StreamSpace Fahrerhaus mit 2,3 Metern Breite durch das breite BigSpace Fahrerhaus mit 2,5 Metern Breite.
Durch den Fahrerhaustausch mussten sämtliche Innenausstattungen, wie Armaturenbrett, Bett oder Schubladen angepasst werden. Um die zulässige Gesamthöhe von vier Metern nicht zu überschreiten, wurde das Fahrzeug vorn tiefergelegt und ein kleiner Motortunnel im Fahrerhausboden eingesetzt. Ausserdem baute die Firma Paul einen zusätzlichen Turm mit Staukisten hinter dem Fahrerhaus ein und montierte die Ballastpritsche. Insgesamt wurden von der Firma Paul ca. 9500 Teile neu eingebaut, beziehungsweise ausgetauscht.

Die «geheimnisvolle Zutat» heisst Turbo-Retarder-Kupplung
Besonders stolz sind die Mercedes-Benz-Ingenieure auf die Turbo-Retarder-Kupplung, denn erst sie ermöglicht den geschickten Umgang mit einer derart schweren Zugkomposition. Als Kombination aus hydraulischer Anfahrkupplung und Retarder in einer gemeinsamen Komponente ermöglicht sie nämlich auch unter hoher Last feinfühliges Anfahren und Rangieren selbst bei niedrigsten Geschwindigkeiten – und das ganz verschleissfrei. Ebenfalls verschleissfrei entwickelt die Turbo-Retarder-Kupplung zusammen mit der High-Performance Engine-Brake bis zu 750 kW Bremsleistung und ein Bremsmoment von bis zu 3000 Nm.
In der Turbo-Retarder-Kupplung stehen sich berührungslos das Pumpen- und das Turbinenrad gegenüber. Das bewegliche Pumpenrad ist auf der Motorseite, das Turbinenrad auf der Getriebeseite angeordnet. Die Kraftübertragung zwischen den Rädern erfolgt verschleissfrei über ein Automatikgetriebeöl.

Beim Tritt aufs Gaspedal wird mit Druckluft Öl in die Turbo-Retarder-Kupplung gepumpt, dadurch erfolgt ein Kraftschluss zwischen Motor und Getriebe-Eingangswelle. Vorteil dieser Kraftübertragung ist ein schneller und gleichzeitig sanfter und verschleissloser Kraftschluss mit hohem Schlupf bei vollem Drehmoment des Motors. Die Ölmenge ist geregelt, damit kann die Drehmomentübertragung an die individuelle Fahrsituation und die Leistungsanforderung durch den Fahrer angepasst werden.
Unmittelbar nach dem Anfahrvorgang wird die Turbo-Retarder-Kupplung überbrückt und das Öl per Fliehkraft aus dem Gehäuse gefördert – der Kraftschluss zwischen Motor und Getriebe erfolgt nun konventionell und mit höchstem Wirkungsgrad über eine herkömmliche Reibkupplung. Der passende Gang wird je nach Belastung, Steigung und gewähltem Programm festgelegt.
Da das Anfahren mit schleifender Kupplung entfällt, kann sie im Arocs SLT auch bei höchster Motorisierung und grossen Lasten als Einscheiben-Trockenkupplung ausgelegt werden.

