Der Farizon SuperVan zeigt sich selbstbewusst
NEUER PLAYER AM HORIZONT Der vollelektrische, mittelgrosse Transporter Farizon SV wurde 2025 auf verschiedenen internationalen Märkten eingeführt und kommt bald auch in die Schweiz. Er bietet eine überzeugende Mischung aus Laderaumvolumen, Effizienz im Alltag und Fahrerkomfort.

Farizon ist die 2016 gegründete Nutzfahrzeugsparte von Geely, Chinas grösstem privatem Fahrzeughersteller, dem Marken wie Volvo, Polestar oder Lotus gehören. Geely ist zudem grösster Anteilseigner von Volvo Trucks AB sowie grösster Einzelaktionär der Mercedes-Benz Group AG. Der hier vorgestellte Farizon SuperVan Kastenwagen – oder kurz «SV» – soll die Marke nun in die globalen Exportmärkte führen. Bis September 2025 wurde der SV erfolgreich in 33 Ländern eingeführt. Auch die Schweiz ist im Visier, Gespräche mit möglichen Vertriebspartnern laufen.

Innovative Drive-by-Wire-Architektur
Der auf einer neuen Plattform basierende SuperVan ist laut Hersteller der weltweit erste Serien-Transporter mit einer Drive-by-Wire-Architektur mit dualer Redundanz. In Verbindung mit hochfestem Stahl und Hybrid-Aluminium-Stahl-Elementen im Fahrgestell und in der Karosserie reduziert die Drive-by-Wire-Plattform das Gewicht um acht Prozent, was der Nutzlast zugutekommt. Diese modulare Plattform soll zudem erhebliche Vorteile beim Packaging bieten.
Erhältlich sind sechs verschiedene Grössenkombinationen (L1H1 bis L3H3), alle mit einer extra-niedrigen Ladehöhe von 550 mm. Die elektrische Architektur ermöglicht zudem verbesserte Konnektivität und intelligente Fahrfunktionen. Durch den Wegfall zusätzlicher Komponenten ermöglicht die modulare Drive-by-Wire-Plattform eine einfache Anpassung von Radstand, Überhängen, Federung und Lenkung.

Weltneuheit auch beim Fahrwerk
Das fortschrittliche Federungssystem mit unabhängigen Doppelquerlenkern vorn – eine Weltneuheit bei einem Elektrotransporter – und Längsblattfedern hinten bietet hohen Komfort und ein Handling, vergleichbar mit dem eines Pw. Der Wendekreis misst bei der L1-Version 12,2 Meter, bei L3 14,7 Meter. Den Bremsweg von 100 auf 0 km/h gibt Farizon mit 39 Metern an. Die Bremsenergierückgewinnung von maximal 0,3 g erhöht die Reichweite um fünf Prozent im Stadtverkehr. Sie ist in drei Stufen über eine Taste am Armaturenbrett links vom Lenkrad wählbar. Gleich daneben befindet sich die Taste für die Fahrmodi (Eco, Sport und Comfort).

Farizon SuperVan bietet fünf Batterievarianten
Der SuperVan ist mit 49 kWh, 67 kWh oder 83 kWh Lithium-Eisen-Phosphat (LFP)-Batterien sowie 66 kWh oder 106 kWh Nickel-Mangan-Kobalt (NMC)-Batterien erhältlich (letztere nur für L3H3). LFP-Batterien empfehlen sich für den urbanen Einsatz, während NMC-Batterien ideal für höhere Kilometerleistungen sind. Flüssigkeitskühlung und -heizung gewährleisten optimale Batterieleistung bei Temperaturen von -30 °C bis 40 °C. Die WLTP-Reichweite wird mit bis zu 551 km im Stadtzyklus und bis zu 398 km im kombinierten Zyklus angegeben.
Mit einer Schnellladeleistung von 140 kW dauert die Ladung von 20 auf 80 Prozent, je nach Batterie, 30 bis 40 Minuten. Die optionale 3,3-kW-Vehicle-to-Load (V2L)-Funktion erlaubt die Stromversorgung externer Geräte über drei Steckdosen im Laderaum oder den Ladeanschluss.
Sportlich gibt sich die Motorsierung. Die Spitzenleistung beträgt 200 kW (272 PS) und das maximale Drehmoment 343 Nm (VREMT-Motor) bzw. 170 kW (231 PS) und 336 Nm (HASCO Magna-Einheit). Die Höchstgeschwindigkeit ist auf 134 km/h begrenzt, der Sprint von 0 auf 100 km/h gelingt in nur 12 Sekunden.

Intelligentes Design für maximalen Laderaum
Die kleinste L1H1-Variante ist 4990 mm lang, 1980 mm hoch und mit 1980 mm exakt gleich breit. Sie bietet 6,95 m³ Ladevolumen und 1300 bis 1480 kg Nutzlast. Die grösste L3H3-Variante misst 5995, 2500 und 1980 mm (L×B×H), bietet 13 m³ Ladevolumen und bis zu 1080 kg Nutzlast, je nach Batterieoption. Besonders praktisch: Ein Nutzlast-Überwachungssystem kalibriert das Fahrzeuggewicht und zeigt die genaue Nutzlast im LCD-Display an. Dies hilft Fahrern und Flottenbetreibern, die Vorschriften für das Gesamtgewicht einzuhalten.
Flexible Ladeösen und eine feste Trennwand sind Standard. Vorgebohrte Löcher in den Seitenwänden erleichtern den Einbau von Regalen. Die Vordertüren lassen sich bis zu 82 Grad öffnen. Die Schiebetüröffnung auf der Beifahrerseite misst bei L1 1000 mm, bei L2 und L3 1300 mm. Hecktüren mit einem 270-Grad-Öffnungswinkel sind optional erhältlich.

Der SV ist mit zwei oder drei Sitzen erhältlich. Physische Tasten für wichtige Funktionen (Klimaanlage, Fahrmodi, Energierückgewinnung) sollen die Ablenkung des Fahrers minimieren. Ergänzt wird dies durch automatische Scheinwerfer mit intelligenter Fernlichtsteuerung, Verkehrszeichenerkennung, Berganfahrhilfe und einer erweiterten 360-Grad-Rundumsicht. Das beheizbare Multifunktionslenkrad ermöglicht einfachen Zugriff auf den intelligenten Abstandstempomat, Sprachassistenten und Telefonfunktionen. Ein 7-Zoll-Digitaldisplay hinter dem Lenkrad und ein «schwebender» 12,3-Zoll-Touchscreen in der Mittelkonsole bieten Zugriff auf Navigation, Multimedia, Streaming, Bluetooth, Apple CarPlay, erweiterte Klimatisierungssteuerung und ADAS-Systeme. Sitzheizung und -belüftung für Fahrer und Beifahrer sind serienmässig. Zahlreiche Staufächer, Türfächer und eine USB-C-Anschlussmöglichkeit zum schnellen Aufladen mobiler Geräte verbessern den Komfort.

Positives Fahrerlebnis im Farizon SuperVan
Um das Android-Smartphone anschliessen zu können, mussten wir zuerst die App CarbitLink herunterladen und installieren. Damit lässt sich der Bildschirm (resp. die Darstellung von Googlemaps und anderen Apps) auf den mittigen Touchscreen spiegeln. Die Bedienung (wie Zieleingabe) erfolgt allerdings über das Smartphone. Einmal installiert, funktionierte es ordentlich.
Fahrmodi und Rekuperationsstufen lassen sich, wie bereits erwähnt, über zwei nebeneinanderliegende Tasten links vom Lenkrad anwählen. Grosse Unterschiede konnten wir – abgesehen von einer sehr sportlichen Beschleunigung in «Sport» – auf die Schnelle bei den Fahrmodi nicht ausmachen. Die Fahrtrichtung wird an einem Lenkstock gewählt. Danach ein Druck aufs Fahrpedal und los geht’s! Und tatsächlich: Leistungsentfaltung, Lenkverhalten und Handling fühlten sich ausgezeichnet an. Wie bei allen E-Transportern sorgte auch hier die tiefliegende Batterie für einen ausbalancierten Schwerpunkt. Das Fahrwerk zeigte sich beim unbeladenen Fahrzeug eher auf der härteren Seite.

Im zähen Stopp-and-Go-Verkehr Athens konnte der intelligente Tempomat seine Stärken voll ausspielen. Er orientierte sich am vorausfahrenden Fahrzeug und bremste, wenn nötig, bis zum Stillstand ab. Setzte sich der Vordermann kurz darauf wieder in Bewegung, beschleunigte auch der SV. Blieb der Vordermann etwas länger stehen, musste zuerst ein Schalter am Lenkrad angetippt werden, um den Van wieder in Bewegung zu setzen. Fazit: Für den dichten Stadtverkehr ist dieser Assistent eine richtig gute Sache.
