An der Solutrans 2025 glänzte (nicht nur) Frankreichs Branche

BRANCHENTREFF IN LYON An der 18. Ausgabe der französischen Transportmesse zeigten 1100 Aussteller auf 10.000 m² in sechs Hallen Produkte und Dienstleistungen, darunter auch mehrere internationale Premieren. Vergeben wurden an der Gala Night auch die wichtigsten Auszeichnungen der Branche.

Am Stand von Renault Trucks feierten die neuen Fernverkehrs- Elektro-Lkw ihre Weltpremiere. Links im Hintergrund der E-Tech T 780 mit E-Achse.
Am Stand von Renault Trucks feierten die neuen Fernverkehrs-Elektro-Lkw ihre Weltpremiere. Links im Hintergrund der E-Tech T 780 mit E-Achse.

64.000 Fachbesucherinnen und Fachbesucher zählten die Organisatoren an der Solutrans 2025, die in der Eurexpo in der Nähe von Lyon stattfand. Die Ausstellenden – darunter mehr als 30 Fahrzeughersteller – gaben sich auch alle Mühe, die Gäste ansprechend zu empfangen und ihre Aufmerksamkeit zu gewinnen.

Ausgerichtet wird die Messe seit jeher vom französischen Karosserieverband FFC, der in diesem Jahr seinen 180. Geburtstag feierte. Entsprechend war auch der Fahrzeugbau wieder ein wichtiges Thema an der Solutrans 2025, wenn auch nicht mehr ganz so dominierend wie in früheren Ausgaben.

Solutrans 2025 legte Fokus auf Dekarbonisierung und Technologie

Die diesjährige Solutrans stellte Dekarbonisierung und Technologie mehr denn je ins Zentrum der Wettbewerbsfähigkeit von Transportprofis. Die Messe beleuchtete Themen wie Energiemix, Wasserstoff, Ladeinfrastruktur, Daten, künstliche Intelligenz und Cybersicherheit und stand ganz im Zeichen der grossen Transformationen der Branche.

Das Programm internationaler Vorträge begann mit einer Plenarsitzung. Diese brachte die Europäische Kommission, Unternehmen und Verbände zusammen, um eine gemeinsame Roadmap zur Beschleunigung von Innovationen und zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit des Sektors zu definieren.

Hydrogen Village

Zwei exklusive Teststrecken hinter Halle 4 waren sowohl Diesel- als auch Fahrzeugen mit «neuen Energiequellen» gewidmet. Hier konnten Transportprofis die neuesten Modelle testen, ihre Leistung auf der Strecke und im realen Strassenverkehr unter die Lupe nehmen sowie Fahrverhalten, Komfort und Energieeffizienz bewerten.

Hyundai Hydrogen Mobility zeigte einen Abfallsammler: CEO Chalres Cambournac (links) und COO Daniel Keller.
Hyundai Hydrogen Mobility zeigte einen Abfallsammler: CEO Chalres Cambournac (links) und COO Daniel Keller.

Angesichts neuer Umweltauflagen und sich schnell entwickelnder gesetzlicher Bestimmungen müssen Speditionen ihre Flotten und Energiemixe anpassen. Diesem Umstand begegnete Solutrans mit der Einführung des Hydrogen Village – einem Bereich in Halle 3, der Wasserstofflösungen gewidmet war. Dieser Bereich beleuchtete das grosse Potenzial von Wasserstoff für leichte und schwere Nutzfahrzeuge. Fachbesucher konnten hier die neuesten Innovationen entdecken und Aussteller treffen, die auf diesen neuen Energieträger spezialisiert sind.

Zu diesen Ausstellern gehörte (erstmals an der Solutrans) Hyundai Hydrogen Mobility (HHM) mit Sitz in Zürich. CEO Charles Cambourgnac und COO Daniel Keller informierten über die in der Schweiz gestartete und inzwischen auf weitgere Länder ausgeweitete Initiative und ihren aktuellen Stand: Heute sind über 170 Hyundai X-Cient Fuel Cell in Europa unterwegs und haben bisher 18 Mio. Kilometer zurückgelegt. Am Stand zeigte HHM einen Dreiachser mit Faun-Aufbau für die Kehrichtabfuhr – eines von fünf Fahrzeugen für einen französischen Kunden. Ein vergleichbares Fahrzeug mit Dieselmotor stösst jährlich über 80 Tonnen CO₂ aus. Die dritte Generation der Brennstoffzellentechnik steht bereits in den Startlöchern, sie erfüllt die GSR II Step B Vorschriften und kommt neu mit Kameraspiegeln. Auch an der Sattelzugmaschine wird entwickelt, bis diese aber auf die Strasse kommt, braucht es wohl noch etwas Geduld.

Renault Trucks zeigte an der Solutrans 2025 erstmals die neue elektrische Achse in funktionstüchtiger Ausführung.

Renault Trucks zeigt E-Achse

Der Hersteller aus Lyon nutzte dieses Heimspiel für die Weltpremiere der neuen MCS-kompatiblen Versionen des Renault Trucks E-Tech T. Dabei wurde der E-Tech T 780 auf maximale Reichweite bis 600 km entwickelt, während der Renault Trucks E-Tech T 585 auf Nutzlast ausgerichtet wurde.

Die erhöhte Reichweite der Langstrecken-E-Lkw wurde durch die Integration einer elektrischen Achse erreicht, die in funktionstüchtiger Ausführung ebenfalls erstmals gezeigt wurde. Mit der E-Achse können alle Teile des Antriebsstrangs – Elektromotoren und Getriebe – am Heck des Fahrzeugs zusammengefasst werden. Diese Architektur schafft Platz zwischen den Längsträgern, um zusätzliche Akkupacks unterzubringen.

Diese neuen Modelle sind mit Lithium-Ionen-Batterien NCA (Nickel, Kobalt, Aluminium) mit hoher Energiedichte ausgestattet, die mit einem speziellen L-förmigen Design ausgestattet sind.

Gleichzeitig kündigte Renault Trucks mit dem E-Tech D14 ein speziell für den Verteilerverkehr in Innenstädten entwickeltes 14-Tonnen-Modell an. Das kompakte und wendige Fahrzeug ergänzt das bestehende Angebot im mittelschweren Segment und ermöglicht nun Lösungen für alle städtischen Transportanforderungen von 14 bis 26 Tonnen. Am Stand war «nur» ein D12 ausgestellt.

Der Trafic Van E-Tech electric, präsentiert von Jan Ptacek (Vice President Renault LCV, links) und Designer Yannick Bignon.

Neuer elektrischer Renault Trafic Van

Weltpremiere feierte auch die Serienversion des neuen Trafic Van E-Tech electric. Der vollelektrische Van ist das erste Fahrzeug der Marke, das auf der flexiblen, skalierbaren SDV-Architektur (Software Defined Vehicle) von Ampere basiert. Die zentralisierte Software-Architektur kann über die gesamte Lebensdauer des Fahrzeugs aktualisiert und mit funktionalen Apps erweitert werden, wie bei einem Smartphone oder einem Laptop. Dies dank des neuen Betriebssystems CAR OS (Car Operating System).

Eine Premiere für die Marke ist zudem die 800-Volt-Technologie, die hier erstmals in einem Renault-Modell zum Einsatz kommt und ein schnelles Aufladen für eine Reichweite von bis zu 450 km WLTP ermöglicht. Konkret kann die Batterie in 20 Minuten von 15 auf 80 Prozent geladen werden.

Der Kastenwagen kommt Ende 2026 auf den Markt, gefolgt von weiteren Versionen, etwa als Fahrgestell, Pritsche oder Cargo Box. Der neue Transporter bietet als Kastenwagen L1 ein Ladevolumen von 5,1 m³ bei einer Länge von 4,87 m. Der L2 kommt bei einem um 40 cm längeren Radstand auf ein Ladevolumen von 5,8 m³. Dank der auf 1,90 m reduzierten Gesamthöhe sind auch Einfahrten in Tiefgaragen kein Problem.

Nach Kia PV5 Cargo und Passenger kommt nun der PV5 Chassis Cab mit über 1000 kg Nutzlast, hier als Foodtruck.

Kia erweitert E-Transporterangebot

Eine weitere Weltneuheit war das Kia PV5 Chassis Cab. Das modulare Design mit (als einziges Fahrgestell im C-Segment) unter fünf Metern Länge ermöglicht eine Nutzlast von bis zu 1005 Kilogramm und ein Laderaumvolumen von bis zu acht Kubikmetern. Die PV5-Chassis-Kabine wurde in Zusammenarbeit mit europäischen Anbietern von Fahrzeugumbauten entwickelt und deckt verschiedene Karosserievarianten und Anwendungsfälle ab, wie das gezeigte Beispiel eines PV5 Foodtruck verdeutlichte.

Kia stellte ausserdem das «Business Solutions Ecosystem» vor, das Konnektivitäts- und Ladelösungen für das B2B-Flottenmanagement in einem Portal zusammenfasst. Zudem konnte am Stand das seit der Weltrekordfahrt ungewaschene Exemplar des PV5 Cargo besichtigt werden, mit dem der aktuelle Reichweitenweltrekord aufgestellt wurde (Seite 30).

BMC enthüllte mit dem Pro L 1852 und 1856 eine neue Flaggschiff-Reihe von Fernverkehrs-Sattelzugmaschinen. Diese soll den türkischen Hersteller stärker im europäischen Fernverkehrssektor etablieren. Das Modell stellt das bisher ambitionierteste internationale Produkt des Unternehmens dar.

Beide Versionen sind mit einem 13-Liter-Cummins-Dieselmotor ausgestattet, der in Leistungsstufen von 500 PS und 560 PS angeboten wird. Gekoppelt ist dieser Motor mit einem automatisierten ZF TraXon Getriebe.

Wichtigste Preise der Branche an Solutrans 2025 vergeben

Die Solutrans zeichnet sich schlussendlich auch dadurch aus, dass die Franzosen sich und ihre Branche feiern, wie sonst niemand. Ob die Innovation Awards oder die Gala Night mit der Übergabe der wichtigsten Branchenauszeichnungen – zum Geschäft gehört immer auch das Savoir Vivre.

Die nächste Solutrans findet vom 16. bis 20. November 2027 mit einer zusätzlichen Halle statt. Im selben Jahr ist auch ein Ableger in Riad, Saudi-Arabien geplant.

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