IPUA Gruppentest 2025: Kampf der Kontinente

PICK-UPS Der Internationale Pick-Up-Award-Gruppentest 2025 fand Ende September erstmals in seiner Geschichte in Bulgarien statt und sollte die Frage nach dem besten Pick-up beantworten. Erstmals waren Kandidaten aus Fernost in der Überzahl. Reichte diese Dominanz auch für den Sieg?

Die 15 Kilometer lange Offroad-Strecke an den Hängen des Verila- Gebirges bot hervorragende Bedingungen, um fünf aktuellen Pick-ups auf den Zahn zu fühlen.
Die 15 Kilometer lange Offroad-Strecke an den Hängen des Verila-Gebirges bot hervorragende Bedingungen, um fünf aktuellen Pick-ups auf den Zahn zu fühlen.

Der International Pick-Up-Award-Gruppentest (IPUA) wird seit 2010 alle zwei Jahre von der International Van of The Year (IVOTY) Jury organisiert, zu der auch TIR-Chefredaktor Henrik Petro gehört. Nach ausführlichen Strassen- und Offroad-Tests, Messungen und Analysen wird der Gewinner durch eine offene Abstimmung der Jury ermittelt und erhält die Auszeichnung sowie das Recht, die Fahrzeuge mit dem IPUA-Logo zu versehen.

Dieses Jahr war Bulgarien an der Reihe, den Test auszurichten. Ende September trafen 19 Mitglieder der internationalen Jury in Sofia ein, bereit, die Kandidaten auf Asphalt und Schotterpisten an den Hängen des Verila-Gebirges in der malerischen Umgebung von Belchinski Bani, Klisura, Samokov und Borovets zu testen.

Die Jury des diesjährigen IPUA-Tests in Bulgarien war aus Motorjournalisten aus 19 Ländern zusammengesetzt.

Bemerkenswert war, dass drei der fünf Kandidaten aus Asien, genauer gesagt aus China, stammten – ein Novum in den bisherigen sieben Ausgaben. Dies zeigt die zunehmende Globalisierung des europäischen Ein-Tonnen-Pick-up-Marktes. Erstmals nahmen auch Hybrid-Pick-ups am Wettbewerb teil, und es fehlte nicht viel, dass auch vollelektrische Fahrzeuge dabei gewesen wären. Die neue Mobilität erobert also auch den Offroad-Bereich. Dies waren also die Voraussetzungen für einen spannenden Wettbewerb nach der äusserst erfolgreichen letzten Ausgabe des Tests 2023 in Griechenland.

Die fünf Kandidaten, die um die Krone antraten.

Effizient organisierter Testablauf

Mit der Ankunft der ersten Jurymitglieder am Flughafen begann die Strassenerprobung. Die drei vorgeschlagenen Routen von 50 km, 131 km und 135 km Länge umfassten städtische Strassen, Autobahn und zweispurige Bergstrassen und endeten im Hotel Belchin Garden im Kurort Belchinski Bani. Die Testfahrten auf Asphalt und die Messungen verschiedener Parameter der Pick-ups – alle mit Doppelkabine – dauerten den gesamten Nachmittag des ersten Testtages. Die Pick-ups erfüllten dabei die Erwartungen: moderne, ausreichend leistungsstarke und komfortable Fahrzeuge, stabil und sicher auf der Strasse, ausgestattet mit allen bekannten intelligenten Sicherheits- und Fahrerassistenzsystemen. Lediglich der Ineos Quartermaster stach mit seinem üppigen Wendekreis von 14,5 Metern hervor, mitunter den beiden Starrachsen und der Kugelumlauf-Lenkung geschuldet. Diese will mit Kraft bedient und nach jeder Kurve aktiv in die Nullstellung gedreht werden.

Auf Schotterweg und löchrigen Naturstrassen aufwärts in die Berge.

Offroad in malerischer Umgebung

Auf dem Parkplatz vor der Schranke des historischen Komplexes Tsari Mali Grad erfolgte mit einer improvisierten Kurzzeremonie der offizielle Startschuss für den Pick-Up-Award-Gruppentest. Die Teilnehmer wurden von Veneta Spasova, Bürgermeisterin von Belchin, und Jarlath Sweeney, Vorsitzendem der IVOTY-Jury, begrüsst. Von hier aus fuhr die Kolonne auf einem Schotterweg bergauf in die Berge und erreichte den Start- und Endpunkt der Offroad-Testfahrten – den oberhalb des Dorfes Klisura gelegenen Gipfel Sveti Petar (1191,1 m). Die Teststrecke war ein etwa 15 km langer Rundkurs, der in rund 30 Minuten bewältigt wurde. Die anspruchsvolle Strecke bot alles, was ein Pick-up-Gruppentest benötigt: rasante Abfahrten zum Testen der Bergabfahrkontrolle, Abschnitte mit tiefem und rutschigem Schlamm, tiefe Gräben und grobe Spurrillen, steile Anstiege über Geröll – zum Testen der Motorleistung, der Getriebe- und 4×4-Systeme sowie der Traktion der Räder – und wieder tiefe Spurrillen, die die Torsionsstabilität des Chassis und die Federungsarbeit testeten.

Die Teststrecke war ein etwa 15 km langer Rundkurs, der in rund 30 Minuten bewältigt wurde. Die anspruchsvolle Strecke bot alles, was ein Pick-up-Gruppentest benötigt.

Während der Tests und zwischen den Runden auf der Strecke erfasste die Jury Daten zum Treibstoffverbrauch, mass die Wendekreise und die Abmessungen der Ladeflächen der Pick-ups. Nach den Offroad-Testfahrten kehrte die inzwischen ziemlich verschlammte Kolonne der Pick-ups nach Tsari Mali Grad zurück, wo die Fahrzeuge unter dem Licht des Sonnenuntergangs für letzte Fotos vor den Festungsmauern posierten.

Die Kandidaten im Detail

Ford Ranger Plug-in Hybrid: Der europäische Bestseller präsentierte sich in seiner neuesten PHEV-Version. Diese kombiniert einen 2,3-Liter-EcoBoost-Benzinmotor mit einem 75-kW-Elektromotor und einer Batterie mit 11,8 kWh nutzbarer Kapazität, die extern oder durch Rekuperation geladen wird und eine elektrische Reichweite von bis zu 45 km ermöglicht. Das Getriebe ist das bekannte 10-Gang-Automatikgetriebe von Ford. Die Gesamtleistung und das Drehmoment betragen 281 PS und 697 Nm, womit er der stärkste Ranger aller Zeiten ist. Im Test standen zwei Fahrzeuge in den Ausstattungsvarianten Wildtrak und Stormtrak zur Verfügung.

Ford ergänzte seinen Bestseller Ranger um einen Plug-in-Hybrid-Antrieb, der Offroadfahren auf ein neues Niveau hebt.

Der Ranger überzeugte mit Komfort, Ergonomie, Sicherheit, Leistung, Funktionalität und beeindruckender Performance auf und abseits der Strasse. Die zusätzliche Leistung des PHEV war sofort spürbar, besonders im Gelände, wo die Bedienung der verschiedenen Antriebsmodi intuitiv und präzise war.

Mit seinem attraktiven Preis peilt der Foton Tunland G7 vor allem Märkte mit tieferen Durchschnittseinkommen an.

Foton Tunland G7: Dieser Pick-up konnte mit einem robusten 2-Liter-Cummins-Turbodieselmotor (164 PS und 390 Nm) und dem aus vielen europäischen Fahrzeugen bekannten 8-Gang-ZF-Automatikgetriebe punkten. Der Allradantrieb stammt von BorgWarner und bietet mehrere Modi für unterschiedliches Terrain. Auf der Strasse fühlt sich der G7 kraftvoll und stabil an, und im Innenraum findet man alles, was man von modernen Fahrzeugen dieser Klasse erwartet. Auch im Gelände überzeugte das Modell und überwand alle Hindernisse problemlos. Die Bergabfahrkontrolle arbeitete äusserst präzise. Insgesamt beeindruckte der Tunland G7 auch mit der Qualität der Materialien und der Verarbeitung der Details. Mit Berücksichtigung des attraktiven Preises wird deutlich, dass hier ein ernst zu nehmender Akteur auf dem europäischen Markt antritt.

Mit seinen Dimensionen wagt sich der Foton Tunland V9 Mild Hybrid in das Segment der für die USA typischen 1,5-t-Pick-ups.

Foton Tunland V9 Mild Hybrid: Dieser Pick-up verfügt ebenfalls über einen 2-Liter-Cummins-Turbodieselmotor (175 PS und 450 Nm), kombiniert mit einem 48-Volt-Hybridmodul, das bei Bedarf den Verbrennungsmotor unterstützt und den Treibstoffverbrauch reduziert. Das 8-Gang-Getriebe ist wiederum das bekannte ZF-Getriebe, wobei am Lenkrad auch Schaltwippen für den manuellen Modus zu finden sind. Schon auf den ersten Blick ist erkennbar, dass der Tunland V9 aufgrund seiner Abmessungen zur höheren Gruppe der 1,5-Tonnen-Pick-ups gehört. Dass dieses Modell nicht nur für die Arbeit, sondern auch für komfortable Langstreckenfahrten und Freizeitaktivitäten entwickelt wurde, erfuhren die Passagiere auf Vorder- und Rücksitz auf komfortable Art selbst bei schneller Fahrt über Unebenheiten und über 30 cm tiefe Spurrillen. Dazu trägt auch die Einzelradaufhängung mit Doppelquerlenkern vorn bei.

Der Ineos Grenadier Quartermaster ist der wahr gewordene Traum von Hardcore-Offroad-Fans mit dem nötigen Portemonnaie.

Ineos Grenadier Quartermaster: Dieser Pick-up nutzt direkt die utilitäre 4×4-DNA des SUV-Geländewagens der Marke, des Ineos Grenadier. Im hinteren Bereich wurde einfach eine Ladefläche hinzugefügt, die gross genug ist, um eine Standard-Europalette aufzunehmen. Unter der Motorhaube arbeiten 3-Liter-Reihensechszylinder-BMW-Turbomotoren, wahlweise als Benziner (286 PS und 450 Nm) oder Diesel (249 PS und 550 Nm). In beiden Fällen ist das Getriebe wieder das bekannte 8-Gang-Automatikgetriebe von ZF.

Nicht nur die Zeit verfliegt wie im Flug, auch hinter dem Lenkrad des Ineos fühlt man sich wie in einem Cockpit.

Ein massives und sogar etwas grobes Äusseres, ein Leiterrahmen, Carraro-Achsen, Bosch-Elektronik und eine Kabine voller Schalter, einige davon sogar an der Decke vor dem Fahrer positioniert, zeigen deutlich, dass wir es hier mit einem starken, robusten und zuverlässigen Arbeitstier zu tun haben. Tatsächlich war der Ineos Grenadier Quartermaster der wahre und kompromisslose Offroader im Test, der keine Hindernisse kannte. Die bereits zuvor erwähnte Kugelumlauf-Lenkung blendet harte Stösse beim Durchfahren von zerlöchertem und felsigem Terrain wirkungsvoll aus. All dies war im Gelände spürbar.

Der Maxus T60 Max, ein klassischer Pick-up mit Dieselantrieb, bietet ein rundum ausgewogenes Gesamtpaket.
Der Maxus T60 Max, ein klassischer Pick-up mit Dieselantrieb, bietet ein rundum ausgewogenes Gesamtpaket.

Maxus T60 Max: Der Maxus T60 Max präsentierte sich mit einem 2-Liter-Bi-Turbo-Dieselmotor (216 PS, 500 Nm) und einem 8-Gang-Automatikgetriebe. Die Abmessungen und der Radstand des T60 bieten eine grosszügige Ladefläche. Die Anhängelast von 3500 kg ist vergleichbar mit der aller anderen Pick-ups. Auf Asphalt zeigte sich der T60 sicher und leicht zu handhaben. Das Interieur des Modells gefiel – viel Hightech mit grossen, digitalen Instrumententafeln über 12-Zoll und einem Display in der Mittelkonsole. Der T60 Max verhält sich als moderner Pick-up auch auf der Offroad-Strecke absolut adäquat und bewältigt alle Situationen stressfrei für den Fahrer. Man kann sagen, dass das Produkt von SAIC Motors im Hinblick auf das Verhältnis von Leistungsfähigkeit – Qualität – Praktikabilität – Preis alle Chancen hat, mit allen etablierten Marken zu konkurrieren.

Die Wettbewerber wurden nicht geschont.

Wer ist der Beste?

Es war früh klar, dass dies ein harter Wettbewerb sein würde und jeder der Konkurrenten starke Trümpfe in der Hand hat. Der Ranger PHEV beeindruckte mit seinem innovativen Antrieb und der Integration der Hybridtechnologie in den bewährten Antrieb des Modells. Das Foton-Duo bot neben allem, was von einem modernen Pick-up erwartet wird, plus einer hochwertigen Ausstattung, das beste Preis-Leistungs-Verhältnis. Der Grenadier Quartermaster schien speziell für kompromisslose Offroad-Einsätze wie geschaffen worden zu sein. Der Maxus T60 Max wiederum bot eine ausgezeichnete Kombination aus Leistung und Praktikabilität. Wer schlussendlich den Award an der Solutrans in Lyon entgegennehmen durfte, lesen Sie hier.

LARA soll Bulgarien in den Fokus der Motosportbegeisterten rücken.

LARA – Bulgariens neues Motorsportzentrum

Im Rahmen der Präsentationen am IPUA Gruppentest wurde das Projekt Rennstrecke LARA vorgestellt, eine der neuesten Anlagen auf dem Balkan. Die von FIA Grade 3 und FIM Grade C zertifizierte Strecke (Formel 3-fähig) entsteht bei Samokov. Die vier Kilometer lange Strecke mit 15 Kurven und einer 900 Meter langen Geraden (über 280 km/h) bietet neun Konfigurationen (1,09 bis 3,93 km). Mit Parkplätzen, Zuschauerzonen, einem Helikopterlandeplatz, Fahrerlager, medizinischem Zentrum und mehr ist LARA umfassend ausgestattet. Die Nähe zu touristischen Orten wie Borovets und Samokov bietet über 20.000 Betten. Die Anlage ist für 30.000 Zuschauer ausgelegt, mit 360.000 erwarteten Besuchern im ersten Jahr. LARA wird zukünftig nationale und balkanische Motorsport-Events, Drift-Festivals, Testfahrten und Klassiker-Festivals ausrichten.

Die Rundstrecke bietet neun Konfigurationen von 1,09 bis 3,93 Kilometer Länge.
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