Elektrifizierung beginnt nicht bei der Ladesäule
LADE-INFRASTRUKTUR Die Elektrifizierung der Transportbranche gewinnt rasant an Bedeutung. Bei einem Megawatt-Charging-Projekt im Fürstentum Liechtenstein zeigt sich, worauf es in der Praxis wirklich ankommt und welche Fragen Transportunternehmen jetzt klären müssen.

Als die ersten Ampère fliessen, löst sich die Anspannung allmählich. Martin Bisang, Projektleiter bei Enotea, ist die Erleichterung anzusehen: «Wir haben monatelang auf diesen Moment hingearbeitet. Dass nun alles wie gewünscht funktioniert, macht mich einfach glücklich. Angesichts der Komplexität eines solchen Projekts kommt es nämlich bis zur Inbetriebnahme immer wieder zu neuen Herausforderungen.»
Dazu gehörten unter anderem die Abstimmung mit dem Netzbetreiber hinsichtlich des Netzanschlusses, der Aufbau einer neuen Niederspannungshauptverteilung sowie die Planung und Umsetzung der notwendigen Tiefbauarbeiten. In enger Zusammenarbeit mit den beteiligten Partnern konnten diese Schritte termingerecht umgesetzt werden. Was hier in Liechtenstein in Betrieb geht, ist ein Projekt, das exemplarisch zeigt, was auf die Transportbranche zukommt. Mit einem Elektro-Anteil von über 20 Prozent bei Neuzulassungen von Lkw ab 3,5 Tonnen gehört die Schweiz 2025 europaweit zu den Vorreitern. Gleichzeitig wächst der Druck auf Transportunternehmen, sich mit der Umstellung ihrer Flotten auseinanderzusetzen.

Doch die zentrale Herausforderung liegt nicht bei den Fahrzeugen. Planlos die Flotte elektrifizieren? Besser nicht. Die Umstellung auf Elektroantrieb erfordert nicht nur Anpassungen beim Fuhrpark. Eine ganze Reihe von Überlegungen muss frühzeitig gemacht werden. Wie passt die Elektromobilität zum Einsatzprofil? Denn reale Fahrdaten mit Tageskilometern, Standzeiten und Auslastung bestimmen, wie die Elektrifizierung umgesetzt werden kann. Zentral ist auch die wirtschaftliche Betrachtung. Die Diskussion auf Strom- versus Dieselpreise zu reduzieren, greift zu kurz. Neben Fahrzeugkosten spielen Infrastruktur, Netzanschluss, Lastspitzen und laufende Betriebskosten wie auch Fördergelder eine entscheidende Rolle. Ein komplexes Themengebiet, für welches man einen kompetenten Partner benötigt, der auch CAPEX und OPEX optimieren kann.
Vor diesem Hintergrund wurde das Projekt bei Wohlwend Transport mit Enotea entwickelt.

Vom Vorhaben zur Umsetzung
Im Zentrum steht eine Ladeinfrastruktur im Megawattbereich mit sechs Ladepunkten, kombiniert mit einem Energiemanagement, das Lastspitzen steuert und die verfügbare Leistung optimal verteilt. Entscheidend war dabei nicht nur die installierte Leistung, sondern ein ganzheitliches Energiekonzept. «Uns war es wichtig, für die Umsetzung unserer Ladeinfrastruktur einen Partner zu wählen, der nicht nur einzelne Ladesäulen realisiert, sondern die Lade- und Energieinfrastruktur im Hintergrund ganzheitlich plant und aufbaut», sagt Emanuel Wohlwend von der Wohlwend Transport AG. «Entscheidend sind nicht die einzelnen Investitionen, sondern wie am Ende alles zusammenspielt.»
Die Anlage ist damit nicht als isolierte Infrastruktur gedacht, sondern als Teil eines Gesamtsystems, eingebettet in Betrieb, Energieversorgung und zukünftige Flottenentwicklung.
Betrieb wird entscheidender Faktor
Mit der Inbetriebnahme ist das Projekt nicht abgeschlossen. Der eigentliche Test beginnt im Alltag. Ladezeiten müssen mit Touren abgestimmt werden, Fahrzeuge zur richtigen Zeit verfügbar sein. Ein nicht geladenes Fahrzeug hat unmittelbare Auswirkungen auf den Betrieb. Gleichzeitig gilt es, Lastspitzen zu vermeiden und die verfügbare Energie effizient zu nutzen. Elektrifizierung verändert also nicht nur die Technik, sondern auch die Abläufe. Disposition und Energieeinsatz rücken näher zusammen.

Was andere Transportunternehmen daraus mitnehmen können
Projekte wie jenes von Wohlwend Transport liefern konkrete Hinweise für die Branche:
- Einsatzprofile zuerst analysieren: Reale Fahrdaten sind entscheidend – nicht Durchschnittswerte.
- Energie frühzeitig klären: Netzanschluss und Leistung bestimmen, was möglich ist und was eventuell geändert werden muss.
- Infrastruktur skalierbar planen: Was heute genügt, kann morgen zum Engpass werden. Eine vorausschauende Planung ist für nachhaltige Lösungen unabdingbar.
- Gesamtkosten betrachten: Nicht nur Fahrzeugpreise, sondern auch Infrastruktur und Betriebskosten entscheiden.
Diese Punkte werden in der Praxis häufig zu spät adressiert – mit entsprechenden Mehrkosten in späteren Projektphasen.

Kein Pilot mehr, sondern Realität
Das Projekt zeigt: Elektrifizierung im Schwerverkehr ist heute umsetzbar – auch in komplexeren Anwendungen. Die zentrale Erkenntnis ist keine technische, sondern eine strukturelle: Flottenelektrifizierung ist kein Fahrzeugprojekt, sondern ein Energie- und Betriebsprojekt. Ein Unterfangen, das für die meisten Transportunternehmen fern ihrer Kernkompetenz liegt. Umso wichtiger, dass ein Know-How-Partner wie Enotea ins Boot geholt wird. Wer diese Perspektive früh einnimmt, schafft sich Handlungsspielraum. Die Reise geht für Wohlwend nicht nur auf der Strasse weiter. Die Anlage ist so ausgelegt, dass sie in weiteren Ausbauschritten ergänzt werden kann. Etwa durch Photovoltaik oder Batteriespeicher, welche sogar das lokale Energienetz stabilisieren. Damit bleibt die Infrastruktur nicht statisch, sondern entwickelt sich parallel zu den Anforderungen des Betriebs weiter. Projekte dieser Art zeigen, dass eine erfolgreiche Elektrifizierung von Betrieben nicht aus Einzelkomponenten besteht, sondern aus dem Zusammenspiel von Energie, Infrastruktur und Betrieb.
Enotea
Die Experten von Enotea realisieren schweizweit ganzheitliche Energielösungen. Das inhabergeführte Unternehmen aus dem Raum Zürich optimiert Schnittstellen und Bedarf bei Energieprojekten. Im Zentrum von Enoteas Projektrealisierungen steht ein tiefes Verständnis für das jeweilige Objekt, um ein Höchstmass an Benefits zu erreichen – sowohl energietechnisch als auch wirtschaftlich. Mehr auf enotea.ch.
