IFAT Munich 2026: Zirkularität sichert die Rohstoffe
BRANCHENTREFF Die Weltleitmesse für Umwelttechnologien in München rückt vom 4. bis 7. Mai Kreislaufwirtschaft und digitale Innovationen ins Zentrum. Angesichts fragiler Lieferketten wird Recycling zum strategischen Schlüssel für die wirtschaftliche Resilienz und eine nachhaltige Mobilität.

Geopolitische Spannungen machen Zirkularität zum entscheidenden Faktor für Europa. Die IFAT Munich 2026 zeigt, wie effizientes Recycling die Abhängigkeit von teuren Primärrohstoffen massiv reduziert. Der neue EU-Aktionsplan «RESourceEU» stützt diesen Kurs mit klaren Exportbeschränkungen für Aluminiumschrott oder Permanentmagnete, um die Wertschöpfung konsequent in Europa zu halten. Im Fokus stehen auch Lithium-Ionen-Batterien: Da sie kritische Metalle wie Kobalt und Lithium enthalten, ist der Aufbau grossflächiger industrieller Recyclingkapazitäten (wie sie die Librec AG in Biberist SO anbietet) unumgänglich, um diese wertvollen Ressourcen dauerhaft im hiesigen Wirtschaftskreislauf zu sichern.

Automobilindustrie und KI im Umbruch
Die neue EU-Altfahrzeug-Verordnung (ELV-R) verschärft Quoten und führt digitale Fahrzeugpässe ein, was die Demontage erleichtert. Flankiert wird dies durch KI und Robotik, welche Sortierergebnisse und Tourenplanungen optimieren. Der VDMA stellt zudem Initiativen zur Standardisierung des Datenaustauschs vor. Die Herausforderung bleibt laut ISWA jedoch die Heterogenität realer Abfallströme, die digitale Innovationen im rauen Alltagsbetrieb vor praktische Grenzen stellt.
Präsenz der Fahrzeughersteller
Die Hersteller von Fahrzeugen, Maschinen, Geräten und Zubehör nutzen die IFAT für wegweisende Premieren im Entsorgungs- und Kommunalsektor:

Daimler Truck:
Der Konzern zeigt den Unimog U 530 (4×4/4 in Autobahn-Ausführung), eEconic 400, eActros 400 sowie Arocs und Atego. Ein Highlight ist der ReEconic: Gemeinsam mit 31 Partnern entwickelt, demonstriert dieses Konzeptfahrzeug auf Basis des eEconic einen konsequenten Kreislaufwirtschafts-Ansatz. Das Abfallsammelfahrzeug besteht teils selbst aus Materialien, die es im Kreislauf sammelt, und soll Erkenntnisse für nachhaltigere Serienfertigungen liefern.

Volvo Trucks:
Unter «Together Towards Zero» präsentiert Volvo drei Elektro-Fahrzeuge. Highlight ist der Volvo FM Electric 6×2 Abroller, der eine neue, erst im April enthüllte Technologie nutzt und in München Deutschland-Premiere feiert. Ergänzt wird das Portfolio durch den vollelektrischen Volvo FM Low Entry sowie einen elektrischen Radlader von Volvo CE.
Renault Trucks:
Am Stand von Terberg HS zeigt Renault den E-Tech D Wide 6×2. Der vollelektrische Hecklader ist speziell für den geräuscharmen, urbanen Stop-and-Go-Einsatz konzipiert. Drei ergänzende Diesel-Modelle spiegeln die aktuelle Einsatzrealität vieler Entsorger wider.

Designwerk:
Eine echte Weltpremiere zeigt der Schweizer E-Lkw-Spezialist Designwerk: Das weltweit grösste vollelektrische Kanalreinigungsfahrzeug mit Wasserrecycling wurde pünktlich zur Messe am 31. März in Winterthur an die Kibag übergeben. Das Modell Kaiser AquaStar EV ist ein 5-Achser mit einem zulässigen Gesamtgewicht von 42 Tonnen und 625 kWh Batteriekapazität. Der Motor leistet 500 kW (das Fahrzeug wird anschliessend auch auf der Suisse Public gezeigt, siehe Seite 18).

Scania:
Scania präsentiert auf der IFAT Munich 2026 ein breites Portfolio an Lösungen für ein sicheres und nachhaltiges städtisches Umfeld. Dieses Angebot unterstützt Kommunen aktiv bei ihren Bestrebungen für eine nachhaltige Zukunft. Das umfassende Angebot von Scania für kommunale Einsätze umfasst Elektrifizierung, Biotreibstoffe sowie eine grosse Auswahl an vielseitigen und hocheffizienten Verbrennungsmotoren.

Die IFAT 2026 beweist eindrucksvoll, dass die Umweltbranche durch die Verknüpfung von moderner Entsorgungslogistik und digitaler Wertstoffrückgewinnung zum Taktgeber für die industrielle Transformation geworden ist.
