Mercedes-Benz Trucks setzt auf Kreislaufwirtschaft
IFAT MUNICH 2026 Auf der Münchener Weltleitmesse rückten bei Mercedes-Benz Special Trucks neben batterieelektrischen Fahrgestell-Lösungen wie dem eActros 400 für den Winterdienst das Konzept der zirkulären Ökonomie und der ReEconic ins strategische Rampenlicht.

Die IFAT Munich 2026 hat sich vom 4. bis 7. Mai einmal mehr als das globale Epizentrum der Umwelttechnologien bewiesen. In einer Zeit, in der fragile globale Lieferketten und volatile Rohstoffpreise die wirtschaftliche Stabilität bedrohen, verschiebt sich der Fokus der Nutzfahrzeugindustrie: Recycling ist nicht länger nur ein ökologisches Ideal, sondern wird zum strategischen Schlüssel für wirtschaftliche Resilienz. Mercedes-Benz Special Trucks nutzte das Münchener Podium, um ein umfassendes Portfolio zu präsentieren, das den anspruchsvollen kommunalen Alltag zwischen Klimaschutz und Kreislaufwirtschaft neu definiert. Ein besonderes Augenmerk lag dabei auf der Präsentation modernster Fahrgestell-Varianten, die in der Halle wie auch im Aussengelände einen direkten Einblick in die fortschrittliche Antriebstechnologie erlaubten.
Ein Fahrzeug, das sich selbst sammelt
Obwohl eher am Rand des Stands platziert, war das Konzeptfahrzeug zur Kreislaufwirtschaft, treffend als «ReEconic» bezeichnet, eines der Highlights. Entstanden in einer Kooperation mit 32 Partnern, demonstriert dieser auf einem eEconic basierende Entsorger einen ganzheitlichen Ansatz. Dennis Kinzelmann, CEO von Mercedes-Benz Special Trucks, fand vor Ort deutliche Worte: «Zirkularität wird zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil. Unser ReEconic wurde mit dem Grundgedanken entworfen: Ein Fahrzeug, das sich selbst gesammelt hat.» Angesichts der Tatsache, dass die deutsche Industrie heute noch zu 90 Prozent von Ressourcenimporten abhängig ist, gewinnt dieser Ansatz massiv an Bedeutung.

In einer hochkarätig besetzten Podiumsdiskussion unter dem Titel «Wie Kreislaufwirtschaft die Mobilität der Zukunft verändert» wurde klargestellt, dass echte Kreislaufwirtschaft schon beim Design beginnt. Heute sind zwar bereits 85 Prozent der Fahrzeugmaterialien rezyklierbar, doch der Einsatz von Sekundärrohstoffen bietet noch enorme Potenziale. So spart die Verwendung von recyceltem Aluminium im Vergleich zur Primärgewinnung rund 95 Prozent Energie ein. Da «grüner Stahl» auf Basis von Wasserstoff aufgrund fehlender Verfügbarkeit noch Zukunftsmusik bleibt, soll man sich auf das konzentrieren, was heute schon machbar ist: Die Schliessung von Stoffkreisläufen bei schwer zu beschaffenden Ressourcen. Der ReEconic ist somit mehr als eine Studie; er ist ein Blueprint für die Resilienz künftiger Flotten.
Winterdienst unter Strom
Dass Elektromobilität auch in den härtesten kommunalen Disziplinen angekommen ist, bewies der im Mittelpunkt stehende Mercedes-Benz eActros 400 der zweiten Generation. Speziell als robustes Fahrgestell für den Winterdienst konfiguriert, räumt dieses Fahrzeug mit dem Vorurteil auf, E-Lkw seien für den Schneeräumdienst ungeeignet. Ausgestattet mit LFP-Zelltechnologie (Lithium-Eisenphosphat) bietet er eine installierte Kapazität von 414 kWh und eine Reichweite von bis zu 480 Kilometern.

Für die Gewichtsbalance im Pflugbetrieb wurden die Batteriepakete flexibel nach hinten verschoben – ein Beweis für die Anpassungsfähigkeit der neuen Architektur. In Zusammenarbeit mit Paul Nutzfahrzeuge und Bucher wurde der eActros mit einer 4-Kreis-Winterdiensthydraulik und einem Meiller Trigenius Drei-Seiten-Kipper ausgestattet. Dank einer gelenkten Nachlaufachse bleibt das schwere Gerät auch in engen innerstädtischen Gassen manövrierfähig. Sicherheitsfeatures wie der Active Brake Assist 6 Plus und der Front Guard Assist schützen Passanten, wobei die Systeme im aktiven Schneepflugbetrieb automatisiert deaktiviert werden, um Fehlermeldungen durch die Anbauten zu verhindern.
Im Aussengelände konnten Besucher zudem ein eActros 600 Dreiachs-Fahrgestell mit Salzstreuer unter die Lupe nehmen. Mit seinem modernen 800-Volt-System ist der Salzbehälter in den meisten Fällen lange vor der Batterie leer.
Effizienzsprünge beim elektrischen Niederflur-Klassiker
Der eEconic wurde in München gleich in zwei Varianten gezeigt, die unterschiedliche Schwerpunkte setzen. Der eEconic 400 verfügt nun über ein viertes Batteriepaket, was ihn zum idealen Partner für energieintensive Aufgaben (oder für grössere Reichweiten) macht. Als Kransammelfahrzeug für die Leerung von Unterflurcontainern oder das Sammeln von Grünschnitt zeigt er, dass Reichweite und Nebenabtriebsleistung heute kein Widerspruch mehr sind.
Die Vorderachse ist für neun Tonnen Last ausgelegt, was den Betrieb grosser Krane direkt hinter dem Fahrerhaus ermöglicht. Im Aussengelände präsentierte Mercedes-Benz zudem den eEconic 300, der konsequent auf Leichtbau getrimmt wurde. Mit einem Leergewicht von lediglich neun Tonnen bietet dieses Fahrzeug die notwendigen Reserven für gewichtskritische Anwendungen wie den Abfallsammelbetrieb. Da die zulässigen Achslasten trotz höherer Gesamtgewichte für alternative Antriebe oft limitierend wirken, ist dieses «Abspecken» der Schlüssel zur Praxistauglichkeit bei stark hecklastigen Aufbauten. Das Fahrgestell ohne Aufbau erlaubte einen tiefen Einblick in den batterieelektrischen Strang.

Unimog – Evolution statt Revolution
Während die schweren Baureihen bereits unter Strom stehen, bleibt der Unimog vorerst eine Domäne des Verbrennungsmotors. In München wurde der kraftvolle U 530, das Flaggschiff unter den Geräteträgern, mit Uni-Touch-Bedienung präsentiert. Diese zeichnet sich u.a. dadurch aus, dass sie je nach Aufgabengebiet und Vorlieben des Fahrers leicht individuell konfigurierbar ist. Mercedes-Benz Special Trucks betonte auf Nachfrage, dass intensiv an der Elektrifizierung des Kult-Geräteträgers gearbeitet wird.
Die Herausforderung liegt hier in der enormen Varianz der Nebenabtriebe und den extremen Einsatzprofilen abseits befestigter Strassen. Die gezeigten Unimog-Modelle erfüllten bereits die neuen GSR-II-Sicherheitsrichtlinien und zeigten sich mit Absetzkippern und Mähkombinationen gewohnt vielseitig. Der Unimog feiert übrigens in diesem Jahr seinen 80. Geburtstag. Draussen war deshalb ein Modell der ersten Generation mit Frontpflug an der Fahrshow des VAK e.v. (Verband der Arbeitsgeräte- und Kommunalfahrzeug-Industrie) zu bewundern.

Zusammenfassend markiert der Messeauftritt an der IFAT 2026 eine Zäsur: Der Fokus verschiebt sich von der reinen Antriebswende hin zur ganzheitlichen Ressourceneffizienz. Ob im Winterdienst mit dem eActros oder im Recyclingkreislauf mit dem ReEconic – der Stern weist den Weg in eine Mobilität, die ihre eigenen Ressourcen schützt und nutzt – auch wenn es bis zur Industrialisierung des ReEconic noch dauern wird. Die Demonstration der vielseitigen Fahrgestelle unterstrich aber, dass für nahezu jede kommunale Anforderung bereits heute eine elektrifizierte Basis bereitsteht, die keine Kompromisse bei der Robustheit oder der Aufbauvielfalt verlangt.
