Ernst Kugler: «Stehen Maschinen still, ist es ein totes Museum!»
PERSÖNLICH Ernst Kugler, 78, absolvierte in den 1960er-Jahren seine Maschinenschlosserlehre bei Saurer in Arbon. Nach einer beeindruckenden Karriere engagiert er sich seit mehreren Jahren im Saurer-Museum, wo er Besuchergruppen durch die Ausstellung führt und den gesamten Textilbereich verantwortet.

«Im Saurer-Museum gibt es einen Bereich für Lkw und Motoren, und einen für Web- und Stickmaschinen, für den ich verantwortlich bin», erklärt Ernst Kugler und führt aus: «Ich sorge dafür, dass die Maschinen laufen, und prüfe, welche wir noch in die Sammlung aufnehmen möchten.»
Aufgewachsen auf einem Bauernhof in Arbon, ist Kugler einer von 100 Jugendlichen, die in den 1960er-Jahren jedes Jahr bei Saurer ihre Lehre beginnen. «Nach einem Jahr konnte man sich entscheiden, ob man als klassischer Maschinenschlosser und Werkzeugmacher, auf Lastwagen und Motoren, oder auf Stick- und Webmaschinen ausgebildet werden wollte», erinnert sich Kugler. «Ich habe mich für Stickerei und Weberei entschieden.»

Nach seinem Lehrabschluss 1967 bleibt Kugler noch bis 1972 bei Saurer, darunter ein Jahr auf Montage in den USA. «Wir lebten in den Südstaaten in Georgia zu dritt in einem Trailer. Dort war der Ku-Klux-Klan aktiv. Eines Abends hing an unserer Tür ein Zettel, wir seien Ausländer und sollten verschwinden. Natürlich haben wir das nicht ernst genommen. Ein paar Tage später kamen zwei Autos angefahren und die Insassen eröffneten das Feuer auf unseren Trailer. Wir flüchteten und sandten am nächsten Tag ein Fax an unseren Chef, dass wir nach Hause kommen würden. Er schrieb umgehend zurück, dass das nicht gehe, wir aber dafür einen Revolver auf Spesen kaufen können. Den Umgang damit hat uns der Sheriff beigebracht.»
Nach dem Besuch der Textilfachschule in Wattwil und weiteren Jobs in der Textilbranche erhält Kugler 1978 mit 31 Jahren den Auftrag, die Temporärfirma Manpower in der Ostschweiz auszubauen. «Für mich sehr spannend, da mir freie Hand gelassen wurde, das Resultat musste einfach stimmen.» 1986 wechselt er zur Zollikofer-Gruppe, Inhaberin des St. Galler Tagblatts, und baut zuerst das Personalwesen auf, übernimmt die Geschäftsführung, entwickelt die Arboner Kaderschule der AFG Arbonia-Forster-Gruppe und wird schliesslich zum Direktor befördert. 1995, mit 48 Jahren, übernimmt Kugler mit einem Freund eine Firma für Ultraschalltechnik in Bronschhofen. Zehn Jahre später verkauft er seine Anteile und kümmert sich fortan um verschiedene Mandate, meist in Verwaltungsräten.

«Dann erzählte mir Hans Stacher, mit dem ich an der Textilfachschule studiert und in einer WG gelebt hatte, dass das Saurer Museum Leute suchte, die die alten Maschinen noch kannten. Das Museum war anfangs noch klein, mit sechs alten Lkw. 2024 verzeichneten wir 16.000 Besucher und etwas über 400 Führungen. Organisiert sind wir als Verein OCS – Oldtimer Club Saurer – mit etwas über 600 Mitgliedern. Nun möchte ich andere so weit ausbilden, dass sie im textilen Bereich alle Maschinen bedienen können. Denn man soll doch sehen, wie man früher gearbeitet hat.»
