Importeure fordern Kurskorrektur der Automobilitätspolitik
MARKT SCHWEIZ 2025 An ihrer Jahresmedienkonferenz forderte auto-schweiz eine deutliche Kurskorrektur in der Schweizer Automobilitäts- und Klimapolitik. Nur so lassen sich die Schweizer Klimaziele mit den Bedürfnissen der Branche und der Konsumenten vereinbaren.

«Die Politik muss aufhören, die Automobilwirtschaft zu drangsalieren und die Mobilität für Private und Firmen zu verteuern», sagt Peter Grünenfelder, Präsident der Vereinigung der offiziellen Automobil-Importeure auto-schweiz. «Stattdessen braucht es ein funktionierendes Ökosystem für die Elektromobilität, Investitionssicherheit und verlässliche politische Signale für Autonutzerinnen und -nutzer. Davon profitieren alle: Private, Unternehmen, unser Wirtschaftssektor und das Klima.»
Während sich die europäischen Märkte schrittweise erholen, verharrt die Schweiz klar mit knapp 234.000 Neuzulassungen im Jahr 2025 unter dem Vor-Pandemie-Niveau von über 300.000 Fahrzeugen pro Jahr – was einem Minus von rund 25 Prozent entspricht (bei den Lieferwagen Minus 5 Prozent). Für die Schweizer Importeure ist diese Entwicklung hausgemacht, wie ihre Vereinigung auto-schweiz schreibt: «Eine realitätsferne Regulierung, hohe Energiepreise und fehlende marktwirtschaftliche Anreize bremsen die Nachfrage.»
Einbruch bei schweren Lastwagen aufgrund Unsicherheiten
Bei den schweren Nutzfahrzeugen über 3,5 Tonnen Gesamtgewicht sank die Zahl der Neuzulassungen von 4876 Fahrzeugen im Jahr 2024 auf 4197 im Jahr 2025. Das entspricht einem Rückgang von 14 Prozent. Ein zentraler Grund für diese Entwicklung ist die anhaltende Unsicherheit rund um die leistungsabhängige Schwerverkehrsabgabe (LSVA). Wie geht es nach 2029 weiter? Offen ist für viele Transportunternehmen insbesondere, ab wann neue LSVA-Kategorien gelten.
Dabei hat die Automobilimportwirtschaft geliefert: Die Automobilhersteller investieren Jahr für Jahr mehr als 80 Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung, mehr als jede andere Branche in Europa. Die Kunden können zwischen rund 300 elektrifizierten Personenwagen, 70 Lieferwagen sowie 45 Lastwagen in allen Preis- und Nutzungskategorien wählen.

Trotz dieses breiten Angebots verläuft der Hochlauf emissionsarmer Fahrzeuge nur schleppend. Die 50-Prozent-Zielmarke bei Steckerfahrzeugen (Roadmap des Bundes) wurde 2025 mit rund 34 Prozent klar verfehlt; die Ausbreitung der Elektromobilität braucht mehr Zeit als von der Politik erwartet. «Das Problem liegt bei den politisch gesetzten Rahmenbedingungen und den zu ambitionierten Fristen: hohe Strompreise, ungenügende städtische Ladeinfrastruktur, regulatorische Unsicherheit sowie neue Steuer- und Abgabenpläne verunsichern Private ebenso wie Firmenkunden», schreibt auto-schweiz weiter.
Bezahlbare Mobilität und bessere Rahmenbedingungen sind der Schlüssel zum Erfolg
auto-schweiz fordert deshalb den Abbau der finanziellen Belastung für die Autowirtschaft und Autonutzer. Die Schweiz soll die europäischen Flexibilisierungsmassnahmen übernehmen und konsequent auf einen kostenverursachenden «Swiss Finish» verzichten. Von der millionenschweren, unwirksamen Sanktionspolitik ist wegzukommen, dafür ist die Technologieoffenheit zu stärken. Helmut Ruhl, Vizepräsident auto-schweiz und CEO AMAG Group AG, sagt: «Entscheidend für den Markthochlauf sind zudem der beschleunigte Ausbau der öffentlichen Ladeinfrastruktur in den Städten sowie die Umsetzung des Rechts auf Laden.» Pilotprojekte wie Laden im Quartier in Winterthur oder Pilotquartier Netto-Null in Zürich kämen zehn Jahre zu spät, heute müsse der Infrastrukturausbau bereits skaliert erfolgen, um flächendeckende E-Mobilität in der Schweiz mit ihren 70 Prozent Mietwohnungen und Stockwerkeigentum überhaupt möglich zu machen.
Die acht Forderungen der Importeure (resp. von auto-schweiz)
- Autowirtschaft deregulieren
- Keine neuen Steuern (E-Abgabe, LSVA)
- 4 Prozent-Automobilimportsteuer abschaffen
- Preiswettbewerb am Strommarkt
- Europäische Flexibilisierung übernehmen
- CO2-Sanktionsmechanismus überarbeiten
- Öffentlichen Ladeinfrastruktur ausbauen
- «Verkehr 45»: mehr Projekte für den Strassenverkehr
Die Schweiz verfügt europaweit über eines der rigidesten CO₂-Sanktionsregime mit Strafzahlungen im dreistelligen Millionenbereich, welche einseitig die Fahrzeug-Importeure treffen, unabhängig von der tatsächlichen Nachfrage. Donato Bochicchio, Vizepräsident auto-schweiz, Managing Director PCDOL & LOGEP, Emil Frey AG, ergänzt: «Während das restliche Europa seine CO₂-Vorgaben flexibilisiert hat und sie marktnäher gestalten will, hält die Schweiz an einem Sanktionsmodell fest, das die Mobilität verteuert und Ersatzinvestitionen schwächt.» Gekoppelt mit einer hohen Steuer- und Abgabenlast der Fahrzeugbesitzer wird dadurch eine weitere Ausbreitung der Elektromobilität massiv erschwert.
E-Abgabe soll aufgeschoben und Schwerverkehrsabgabe überarbeitet werden
Eine zusätzliche Abgabe auf Elektrofahrzeuge ist zum heutigen Zeitpunkt kontraproduktiv und bremst den dringend notwendigen Markthochlauf. Solange Elektrofahrzeuge nur einen geringen Anteil am Gesamtwagenpark ausmachen, lehnt auto-schweiz neue Belastungen entschieden ab und fordert stattdessen stabile, investitionsfreundliche Rahmenbedingungen.
Die Elektrifizierung des Schwerverkehrs ist ein bisheriger Erfolg der Schweizer Verkehrspolitik, der nicht durch regulatorische Unsicherheit gefährdet werden darf. Für die Leistungsabhängige Schwerverkehrsabgabe (LSVA) braucht es langfristige Planungs- und Investitionssicherheit sowie verlässliche Übergangsregelungen, damit Unternehmen weiterhin in emissionsarme Lastwagen investieren.
