Roger Bosshardt: Geschäftsrisiko ist der Fahrzeugzustand
PERSÖNLICH Was geschieht eigentlich mit jenen Lkw und Bussen, die durch Neufahrzeuge ersetzt werden? Roger Bosshardt kümmert sich als Leiter des BusStore Center bei Daimler Buses Schweiz AG um die Weitervermarktung der gebrauchten Busse.

«Der Bus ist für mich eines der sinnvollsten Produkte überhaupt», sagt Roger Bosshardt, seit 23 Jahren bei Daimler, davon viele Jahre im Verkauf- und Produkttraining der Daimler Truck AG. Seit über einem guten Jahr leitet er den BusStore, die Abteilung, die mit gebrauchten Linien- und Reisebussen handelt.
«Das Geschäft ist zurzeit anspruchsvoll, da die Nachfrage nach gebrauchten Bussen das Angebot übersteigt», erklärt Bosshardt. Daher versuchen manche Unternehmer, die ersetzten Busse selbst zu verkaufen, um einen höheren Preis zu erzielen. Bosshardt fokussiert sich deshalb derzeit stärker auf den Einkauf als auf den eigentlichen Verkauf. «Die Qualität der Angebote ist sehr unterschiedlich. Während Linienbusse teilweise in einem sehr ‚gebrauchten‘ Zustand sind, findet man Reisebusse häufig gut gepflegt vor, da sie die Visitenkarten der Unternehmen sind. Aber auch hier gibt es grosse Unterschiede.» Die Busse werden technisch geprüft, dokumentiert und fotografiert. Den Verkaufspreis bestimmt Bosshardt mit zwei weiteren Personen, davon eine von Daimler Buses in Mannheim. «Unser grösstes Geschäftsrisiko ist, dass der effektive Zustand erst in der Werkstatt erkannt und in der Summe kein Gewinn oder sogar ein Verlust resultiert.»

Damit gebrauchte Linienbusse überhaupt im Schweizer Markt verkauft werden dürfen, benötigen sie eine Zulassung vom Bundesamt für Verkehr (BAV). Fehlt diese oder ist sie abgelaufen, geht der Bus in den Export. Rund 40 Busse handelt Roger Bosshardt jährlich, was aber je nach Ausschreibungen und durch den Wettbewerb in ganz Europa stark variieren kann. Bereits konnte er auch zwei dreijährige E-Busse verkaufen – ehemalige Demofahrzeuge. Bei den vollelektrischen Fahrzeugen spürt Bosshardt die Unsicherheit der Kunden: «Es fehlt noch die Erfahrung bei den batteriebetriebenen Fahrzeugen. Und wenn man bedenkt, dass rund ein Drittel bis die Hälfte des Fahrzeugkaufpreises die Kosten der Batterien beinhaltet, ist diese Unsicherheit berechtigt.»
Immer wieder spannend und anspruchsvoll sei das Verhalten der Menschen bei der Preisverhandlung. Anbieter loben ihren Bus oftmals in den Himmel, und Käufer reden das Fahrzeug zwecks Preisreduktion schlechter, als es ist. «Wenn zwei Wochen später die umgekehrte Situation eintrifft, kann ich häufig mein Gegenüber mit den eigenen Waffen schlagen, indem ich den Verhandlungspartner selbst wieder zitiere. Wenn man sich gut versteht, führt das meistens zu einem Lacher.»
Seine Freizeit verbringt Roger Bosshardt mit Velotouren und kochen. Dazu ist er sehr interessiert an der Politik in der Schweiz und der ganzen Welt. Ebenso schwärmt Bosshardt für alte Fahrzeuge: «Ich habe ein Faible für alte Technik, besitze aber leider keinen Oldie.»
