Nostalgischer Ausflug in die Anfänge der Renault-Vans
KLASSIK Renault ermöglichte uns eine Reise in eine Zeit, in der es weder Tempomat noch ABS oder Airbag gab, die dünnen Türen (wenn überhaupt) mit einem blechernen Scheppern geschlossen wurden, alles noch von Hand bedient werden musste und in der niemand erst auf die Idee kam, schneller als 80 km/h zu fahren.

Im heutigen Lieferverkehr – da waren sich alle Kollegen einig – wollte niemand mehr mit den Transportern von damals arbeiten müssen. Kaum Platz in der Kabine, keine Ablagen, schlechte Übersicht, schwache Motorisierung, Klimatisierung schlicht inexistent, alles muss von Hand gekurbelt, gedrückt und gezogen werden – und von der Sicherheit ganz zu schweigen: Die technische Evolution hat leichte Nutzfahrzeuge so sicher, komfortabel und effizient wie nie gemacht. Wir sind jederzeit online, Fenster, Klimaanlage und Multimedia funktionieren alle elektrisch und teils per Sprachsteuerung, wir fahren lokal emissionsfrei und Over-the-Air-Updates sorgen dafür, dass wir nicht ungeplant stehen bleiben. Dafür haben diese kleinen französischen Klassiker einen Charme, wie ihn heute nur schon aufgrund gesetzlicher Vorgaben kein Hersteller mehr auf die Strasse bringen kann.

Renault-Vans-Wegbereiter mit Integralchassis
Das älteste Fahrzeug auf Platz hatte Baujahr 1950, doch die Limousinenversion des «Juvaquatre» entstand bereits vor dem Zweiten Weltkrieg. Es war der erste Renault mit Integralchassis und Einzelradaufhängung vorn. Ende 1938 folgte eine Pick-up-Version mit 250 und später 300 kg Nutzlast. Der Einliter-Vierzylinder mit 23 PS wird per Fussknopf gestartet. Drei Gänge reichen aus, um die 750 kg schwere «Fourgonnette» in Schwung zu halten.
Ende der 1940er Jahre löste der «4 CV» die Juvaquatre-Limousine ab. Von der letzten Lieferwagenversion, die es sowohl mit Fenstern als auch als Kastenwagen gab, wurden von 1956 bis 1960 52.000 Stück ausgeliefert.

Ein globaler Erfolg
Der 1961 eingeführte avancierte zu einem der grössten automobilen Erfolge weltweit. Bis 1992 wurden beeindruckende 8 135 429 Einheiten produziert.
Dieser vielseitige Wagen war bei den unterschiedlichsten Bevölkerungsgruppen beliebt: von der französischen Post und Gendarmerie über Hausfrauen und Studenten u.v.m. Besonders Handwerker schätzten die Kastenwagenversion mit ihren geringen Wartungskosten, ihrem grosszügigen Platzangebot und ihrer Robustheit in jeder Situation. Einige Jahre später übernahm der «Express»-Lieferwagen, basierend auf dem Super 5, bevor schliesslich der moderne «Kangoo» folgte.
Der erste Fronttriebler
Der erste Renault mit Frontantrieb war ein kleines Nutzfahrzeug: die Estafette. Sie verfügte über einen flachen Boden, Einzelradaufhängung, einen sehr kurzen Wendekreis, eine nach vorn verlagerte Kabine und zu Beginn Schiebetüren auf der Fahrer- und Beifahrerseite. Die Hochdachversion war mit einem geschichteten Polyesterdach ausgestattet, das Techniken nutzte, die Renault für die Bahnindustrie entwickelt hatte.

Im September 1959 vorgestellt, war die Estafette als Kastenwagen, Hochdach-Kastenwagen, Pritschenwagen, Fahrgestell mit Kabine und als 8-sitziger Kleinbus erhältlich. Zudem gab es zahlreiche weitere Versionen wie Krankenwagen, Verkaufsfahrzeuge, Campervans und Standard-Lieferwagen. Ursprünglich mit einem 845-cm³-Motor und einer Nutzlast von 600 kg lanciert, beendete die Estafette ihre Karriere mit dem 1289-cm³-Motor Typ 810. Im Jahr 1980, nach über 533 000 produzierten Einheiten, wurde die Estafette durch den Renault Trafic abgelöst.
Nummer 1 in Europa unter den Renault-Vans
Um eine Vielzahl von Anforderungen zu erfüllen, führte Renault 1980 den Trafic und den Master ein – leichte Nutzfahrzeuge mit selbsttragender Karosserie. Ende 1988 waren bereits über 435.000 Einheiten des Trafic produziert. Unternehmen, Handwerker, Händler und Transportunternehmen – alle Branchen nutzen die Nutzfahrzeuge. Um die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken, bot Renault eine sehr vielfältige Modellpalette an. Diese umfasste verschiedene Motoren (Benzin, Diesel und Turbodiesel) sowie eine breite Auswahl an Karosserievarianten: Kastenwagen, Minibus, Pritschenwagen, Fahrgestell mit Kabine und Kipper.

Auch für den Master waren verschiedene Karosserietypen erhältlich, darunter Kastenwagen, Kleinbusse und Fahrgestelle mit Kabine. Diese ermöglichten den Aufbau von Kühlaufbauten, Kippern oder sogar Reisemobilen. Der Master stellte eine perfekte Synthese aus leichtem Nutzfahrzeug und Pw dar und bot Robustheit, niedrige Betriebskosten und hohen Komfort.
Mit seiner revolutionären Innenraumgestaltung der Kabine, dem robusten Design und den verbesserten Sicherheitsmerkmalen (Sichtbarkeit, unterstützte Bremsen mit belüfteten Scheiben vorn) brachte der Master einen echten Hauch von Modernität in die damaligen Nutzfahrzeuge.
