Fünf Scania Wasserstoff-Lkw im Schweizer Praxistest

WASSERSTOFF: Scania übergibt fünf Scania Wasserstoff-Lkw an vier Schweizer Unternehmen. Die Brennstoffzellen-Fahrzeuge werden im realen Transportalltag erprobt und liefern Erkenntnisse zu Reichweite und Betrieb.

Vier Firmen testen Scania Wasserstoff-Lkw. Quelle: zvg

Scania Schweiz AG hat am Donnerstag, 8. Oktober 2026, im SAK-Wasserkraftwerk «Kubel» bei St. Gallen fünf Scania Wasserstoff-Lkw an vier Schweizer Unternehmen übergeben. Die Fahrzeuge werden von Emmi Schweiz AG, Migros Ostschweiz, Retralog AG und Schwab-Guillod AG im realen Transportalltag eingesetzt.

Die Übergabe erfolgte im Rahmen des Scania Pilot Partner-Programms. Dabei arbeitet Scania mit ausgewählten Kunden zusammen, um neue Technologien unter realen Einsatzbedingungen zu testen und weiterzuentwickeln. Die Erkenntnisse aus dem täglichen Betrieb sollen zeigen, wie sich die Fahrzeuge in unterschiedlichen Transportaufgaben bewähren und welchen praktischen sowie wirtschaftlichen Nutzen die Technologie bieten kann.

«Entscheidend ist nicht nur, ob eine Technologie auf dem Papier funktioniert, sondern wie sie sich im täglichen Transportgeschäft bewährt», sagt Francesco Romano, Generaldirektor der Scania Schweiz AG. «Gemeinsam mit unseren Pilotkunden sammeln wir wertvolle Erfahrungen und lernen die Chancen und Herausforderungen der Wasserstoff-Brennstoffzellen-Technologie unter realen Bedingungen kennen.»

Scania startet Praxistests mit Schweizer Kunden. Quelle: zvg
Sie brachten das Projekt voran: Dirk Stüben, Solutions Manager Long Haulage Scania CV AB (links) und Reto Trauffer, Leiter Verkauf E-Mobilität Scania Schweiz AG. Quelle: Henrik Petro

Elektrischer Antrieb mit Wasserstoff

Die Scania Wasserstoff-Lkw verfügen über einen elektrischen Antriebsstrang. Ein Brennstoffzellensystem wandelt Wasserstoff und Sauerstoff in elektrische Energie um, die den Elektromotor antreibt. Als direkte Emission entsteht dabei lediglich Wasserdampf.

Wasserstoff-Brennstoffzellen können insbesondere für Anwendungen interessant sein, bei denen hohe Reichweiten, eine intensive Fahrzeugauslastung oder kurze Standzeiten eine wichtige Rolle spielen.

Die vier Pilotkunden setzen die insgesamt fünf Fahrzeuge in unterschiedlichen Transportaufgaben ein. Dadurch gewinnen alle Beteiligten wertvolle Erkenntnisse über die Fahrzeugverfügbarkeit, den Energieverbrauch, die Reichweite sowie die Anforderungen an Betrieb, Service und Wartung. Die Kunden können dabei beurteilen, wie sich die Technologie in ihre täglichen Transportabläufe integrieren lässt und welchen praktischen Nutzen sie für ihre jeweiligen Anwendungen bietet. Scania gewinnt gleichzeitig wichtige Erfahrungen für die weitere technologische und betriebliche Bewertung der Wasserstoff-Brennstoffzellen-Technologie.

Fünf Wasserstoff-Lkw starten Schweizer Praxistests. Im Vordergrund die mobilen Container von Hydrospider, die mit im SAK-Wasserkraftwerk «Kubel» hergestelltem grünem Wasserstoff befüllt und danach an die jeweilige Tankstelle gebracht werden. Quelle: zvg

Pilotbetrieb statt Serienstart

Bei den fünf Fahrzeugen handelt es sich um Pilotfahrzeuge. Sie sind Teil eines Lern- und Entwicklungsprozesses und stellen nicht den Start einer serienmässigen Wasserstoff-Lkw-Baureihe dar. Scania testet und bewertet die Technologie gemeinsam mit seinen Kunden, bevor weitere Entscheidungen über eine mögliche breitere Anwendung getroffen werden. Damit startet der Praxistest fast genau vier Jahre nach der Ankündigung des Projekts.

Die batterieelektrische Technologie bleibt für Scania der wichtigste Weg zur Dekarbonisierung des Strassentransports. Gleichzeitig unterscheiden sich Transportaufgaben und Kundenanforderungen erheblich. Im Rahmen des Pilot Partner-Programms prüft Scania deshalb auch ergänzende Technologien dort, wo sie für bestimmte Anwendungen ein Potenzial bieten könnten.

«Mit diesen fünf Fahrzeugen schaffen wir eine wichtige Grundlage, um die Technologie realistisch einzuordnen und ihren möglichen Nutzen für unterschiedliche Transportanwendungen zu bewerten», erklärt Francesco Romano.

Fünf Wasserstoff-Lkw starten den Schweizer Praxistest. Quelle: Henrik Petro

Technische Daten

Das Fahrzeug Scania 40R A 6×2*4 NB mit Kabine CR20N verfügt über einen Radstand von 3550 mm sowie den elektrischen Antrieb EM C1-4 mit 400 kW Leistung, ergänzt durch einen elektrischen Nebenantrieb mit 60 kW. Die installierte Batterie fasst 356 kWh, geladen wird über einen CCS2-Anschluss mit 375 kW und 500 A Gleichstrom. Der Wasserstofftank nimmt 56 kg bei 700 bar auf, die Betankung dauert 15 bis 25 Minuten. Die Reichweite liegt bei bis zu 900 km, davon rund 600 km mit Wasserstoff und rund 300 km elektrisch. Das Leergewicht beträgt 13’800 kg, das Gesamtzuggewicht liegt zwischen 40 und 64 Tonnen.

Wasserstofftanks ermöglichen 600 Kilometer Reichweite. Quelle: Henrik Petro

Die offizielle Übergabe an die Schweizer Kunden erfolgte rund elf Monate nach der Übergabe des ersten Fahrzeugs an das norwegische Unternehmen Asko Norge AS im Rahmen der transport-CH 2025. Bei einigen dieser Kunden sind die Fahrzeuge sogar bereits seit einigen Wochen erfolgreich im Einsatz.

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