Oehninger AG testet den MAN eTGX

PRAXISTEST Für die Transportbranche stellt der aktuelle Technologie- und Energiewandel eine grosse Herausforderung dar. Das trifft auf Hersteller wie die MAN Truck & Bus AG zu, aber auch auf die Transporteure selbst. So bereitet sich auch die Oehninger AG in Seon auf die neuen Zeiten vor.

Das Container- Geschäft ist sehr kurzfristig und verlangt ein besonderes Mass an Flexibilität.
Das Container- Geschäft ist sehr kurzfristig und verlangt ein besonderes Mass an Flexibilität.

Das mittelständische Familienunternehmen Oehninger AG ist seit 1962 unterwegs. Lange lag das Gewicht auf Baustellenkippern und Überlandtransporten, doch vor 45 Jahren schwenkte die Firma um und hat sich bis heute mit 75 Mitarbeitenden, 55 Lastwagen und rund 180 Spezialanhängern ganz dem Container-Transport verschrieben.

Die meisten Containeraufträge starten in den Rheinhäfen in Basel, die Destinationen liegen in der ganzen Schweiz verteilt. Um ein Gefühl für die Realität von E-Lastwagen im Betrieb zu erhalten, hatte Geschäftsführer Stefan Oehninger auf der letztjährigen IAA Transportmesse in Hannover intensive Abklärungen zu den Elektro-Lastwagen verschiedener OEM getätigt. Wegen des interessanten Gesamtpakets und auch wegen der hohen hinteren Achslasten hat sich Oehninger entschieden, einen Test mit seinem bisherigen Hauptlieferanten MAN zu vereinbaren.

Jede Transportfirma hat ganz spezifische Anforderungen, was für einen erfolgreichen Umstieg auf die Elektromobilität besondere und individuelle Beratung mit gezielt zugeschnittenen Lösungen bedingt. Hierfür ist MAN mit seinen eMobility Experten und seiner 360° eMobility-Beratung auch in der Schweiz her- vorragend aufgestellt.

Geschäftsführer Stefan Oehninger (hier am Dispo-Pult) wollte mit dem Test herausfinden, wie sich ein Elektro-Lkw in den Betrieb eines Container-Transportunternehmens integrieren lässt. Ende des Jahres erhält die Oehninger AG nun ihre eigenen zwei MAN eTGX.
Geschäftsführer Stefan Oehninger (hier am Dispo-Pult) wollte mit dem Test herausfinden, wie sich ein Elektro-Lkw in den Betrieb eines Container-Transportunternehmens integrieren lässt. Ende des Jahres erhält die Oehninger AG nun ihre eigenen zwei MAN eTGX.

Prototyp im Praxiseinsatz bei der Oehninger AG

Kürzlich nun integrierte die Oehninger AG während einer Woche am Hauptsitz in Seon einen MAN eTGX (noch als Prototypenfahrzeug) von MAN Schweiz in die betrieblichen Abläufe, um sowohl die logistischen Möglichkeiten als auch die Reaktionen im «Fahrerlager» zu erkunden. Schweizer MAN-Techniker schulten vorgängig die Werkstatt auf die neue Fahrzeugtechnik. Als Pionier im Container-Geschäft, ist die Oehninger AG in der Branche bekannt als flexibles und zuverlässiges Unternehmen. «Containertransporte sehen von aussen sehr einfach aus, die Realität ist aber ganz anders. Flexibilität und Kurzfristigkeit gehören zur Tagesordnung», umschreibt Stefan Oehninger den betrieblichen Charakter.

In diesem Tagesgeschäft ist meist einzig die erste Fuhre am Morgen vorgegeben, der Rest des Tages ist abhängig von den möglichen Retourfahrten. Und weil die Container in die ganze Schweiz transportiert werden, verlangt der Einsatz mit Elektroantrieb von allen Beteiligten zusätzliche Herausforderungen und nochmals mehr Vorausplanungen. «Unsere schweren Container überschreiten die verringerte Nutzlast eines Elektro-Lastwagens», erklärt Oehninger. So stand der eTGX für die leichteren Container im Einsatz – sie machen etwa die Hälfte der Oehninger-Aufträge aus.

Marcel Leutwiler tauschte während vier Tagen seinen konventionellen MAN mit dem brandneuen MAN eTGX.
Marcel Leutwiler tauschte während vier Tagen seinen konventionellen MAN gegen den brandneuen MAN eTGX.

Elektrofit mit Profidrive

Am Steuer sass während der vier Tage Marcel Leutwiler. Er war vorgängig durch die Profidrive-Spezialistin von MAN geschult worden. Gesamthaft hat er 1200 bis 1300 km abgespult. «Es bedarf tatsächlich etwas mehr Vorausplanung beim Fahren, um mit Reichweite und Nachladen zurecht zu kommen», resümiert Leutwiler. «Aber der Fahrkomfort und die Laufruhe des eTGX sind sensationell!» Dies habe sich direkt auf seinen Fahrstil ausgewirkt: «Ich habe das Gefühl, im Verkehr nochmals deutlich ruhiger gewesen zu sein. Und defensiver.» Herausgefordert wurde Leutwiler durch die vielen neuen Assistenzsysteme und die Spiegelkamera. «Beim Elektroantrieb jedoch fand ich mich innert kürzester Zeit zurecht.»

Nach dieser Testwoche sieht sich Stefan Oehninger im Entscheid bestätigt – auch er fuhr den eTGX während der Testtage selbst –, auf Ende 2025 seine ersten zwei eigenen MAN eTGX zu beschaffen. Sie werden ab Seon und ab Frenkendorf zum Einsatz kommen. Dazu wird in der Zwischenzeit auch in Frenkendorf eine Ladestation installiert. Übrigens reicht für die Oehninger AG vorerst eine 250-kW-Ladesäule vollkommen, da die Lastwagen ausschliesslich zwischen 5.00 Uhr morgens und 18.00 Uhr im Einsatz stehen und deshalb genügend Zeit fürs Laden bleibt. Und mit dem Ausbau der Photovoltaik-Anlage auf den Betriebsgebäuden wird die Firma bei der Stromversorgung für den Betrieb und das Laden zunehmend autark.

Der Test-eTGX ist längst zurück bei MAN Truck & Bus Schweiz. Dort ruhte er aber nicht, sondern ging wieder raus zu anderen Transportunternehmen, um auch ihnen als Grundlage für einen Umstieg zu dienen.

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