Mit Scania in der Formel 1 unterwegs
MOTORSPORT-LOGISTIK Seit 2024 war das Stake F1 Team KICK Sauber, bei uns besser bekannt als Sauber Formel 1 Team, an die europäischen Rennen mit Scania Lastwagen unterwegs. Insgesamt 13 Scania 560S sorgten dabei für einen sicheren und zuverlässigen Transport zu den diversen Rennstrecken.

Im Jahr 1970 gründet Peter Sauber die Sauber AG in Hinwil und der Rennwagen «C1» gewinnt im gleichen Jahr die Schweizer Sportwagen-Meisterschaft. 1993 debütiert Sauber mit dem «C12» in der Formel 1 und belegt gleich den 7. Platz in der Konstruktionswertung. 2025 sind Routinier Nico Hülkenberg und der letztjährige Formel-2-Sieger Gabriel Bortoleto für Stake F1 Team KICK Sauber am Start. Mit dem letzten Rennen der letztjährigen Saison am 7. Dezember 2025 in Abu Dhabi verschwindet der Name «Sauber» endgültig aus der Formel 1. Ab 2026 wird der Hinwiler Rennstall die Formel 1 unter dem neuen Namen Audi F1 in Angriff nehmen. Nicht nur Audi, sondern auch Scania gehört mit Traton zur Volkswagen-Gruppe.

In ganz Europa unterwegs
Für die sehr komplexe Logistik in der Formel 1 braucht es zuverlässige Mitarbeiter und Fahrzeuge. Eine Flotte modernster Scania liefert dabei die gesamte Infrastruktur auf alle europäischen Rennplätze. Die vier Race Trucks, welche die Rennwagen, das Werkstattmaterial und die Ersatzteile transportieren, werden dabei von Sauber Motorsport in Hinwil disponiert und auch eingesetzt.
Zwischen den einzelnen Grand-Prix in Europa wird oft von einem Rennen zum nächsten gefahren. Gibt es jedoch eine Woche Pause oder findet ein Rennen wie Ende Juni in Kanada statt, so fahren die Lastwagen zum jeweiligen Standort zurück. Die in Österreich stationierten Scania sind bereits über eine Woche vor dem Rennen vor Ort. Es beginnt der Aufbau des Motorhomes samt Küche und der dazugehörigen Infrastruktur. Auch die leeren Garagen werden mit Trennwänden in verschiedene Räume eingeteilt. Am Montag vor dem Rennen starten dann zusätzliche Fahrzeuge in Hinwil, welche Werkstatt-Equipment, Elektronik und Rennwagenteile auf den jeweiligen Rennplatz liefern. Der Transport der Formel-1-Fahrzeuge selbst erfolgt mit einem separaten Truck kurz vor dem Rennwochenende.

Formel-1-Logistik der besonderen Art
Anders sieht es bei den Rennen ausserhalb Europas aus. Sämtliches Material wird von externen Logistikpartnern zum Flughafen Malpensa in Mailand transportiert, wo es zusammen mit dem Material von anderen Teams via Transportflugzeug an den Zielflughafen geflogen wird. Für diese Rennen übernimmt jeweils DHL die Koordination sowie den Transport zur Rennstrecke und auch wieder zurück. Parallel zu den ca. 35 Tonnen Luftfracht sind insgesamt sieben sogenannte Seefracht-Kits à je 40-Fuss-Container per Schiff zu den Übersee-Destinationen unterwegs.
Team von 20 Lkw-Fahrern in Hinwil
Für die neun Europa-Rennen steht in Hinwil ein Team von 20 Lastwagenfahrern/-innen bereit, um die vier Scania-Sattelzugmaschinen an den nächsten Einsatzort fahren zu können. Reto Casty, selbst schon seit 24 Jahren für Sauber unterwegs, ist dabei für das Fahrerteam verantwortlich. Er plant und koordiniert alle Einsätze für das komplette Fahrerteam.

«Je nach Rennstrecke fahren wir am frühen Montagmorgen los», erzählt Fahrerin und TIR-Mitarbeiterin Rahel Cathomas. «Wenn es lange Fahrstrecken und somit Lenkzeiten gibt, fahren wir mit Doppelbesatzung. Wir sind bereits ein gut eingespieltes Team, in welchem auch neue Fahrer/innen schnell integriert werden, da diese gleich unter die Fittiche eines Routiniers genommen werden. Doch auch diese stehen jeweils unter Strom, bis die Schweizer Grenze überquert ist. Je nach Fahrzeugschlange am Zoll, kann die Verzollung sehr viel Zeit und Geduld in Anspruch nehmen. Da sehr viele Teile auf den Lastwagen verladen sind, werden auch sehr viele Carnets A.T.A. (= vorübergehende Aus-/Einfuhr), sprich Zollpapiere, für die Aus- und auch wieder Einfuhr von der Schweiz in die EU und wieder zurück benötigt. Wird auf diesen etwas übersehen oder nicht abgestempelt, kann dies auf dem nächsten Zollbüro für grosse Probleme und noch grösseren Zeitverlust sorgen. So muss immer alles exakt deklariert sein und beim Anstehen am Zollschalter dürfen wir uns trotz Zeitdruck nicht aus der Ruhe bringen lassen.»

Der Druck ist weg und das Geniessen beginnt
Ist die Grenze dann einmal überquert, fällt ein gewisser Druck weg und die Fahrt auf den ausländischen Autobahnen und Strassen kann genossen werden. «Zeit, um die unterschiedlichsten Gegenden geniessen zu können, fehlt leider», relativiert Rahel. Ausser bei den gesetzlichen Pausen, dem Nachtanken oder einem Fahrerwechsel muss immer das Ziel vor Augen gehalten werden. Die Fahrerteams vertrauen einander, und so kann sich der Beifahrer auch mal ein Nickerchen auf dem grosszügigen und bequemen Bett in der Scania-Kabine gönnen. Aber natürlich gehört es auch dazu, dass man sich immer wieder einen Überblick über die aktuelle Verkehrssituation verschafft. «Gerne wollen wir auf dem schnellsten Weg ans Ziel kommen, statt Umwege zu fahren. Doch lässt sich dies nicht immer vermeiden. Fährt man tagsüber, gibt es rund um die Städte Staus. Fahren wir in der Nacht, müssen wir jederzeit mit Sperrungen wegen Bauarbeiten rechnen.»

Planung bis ins letzte Detail
«Bevor wir auf die Rennstrecke fahren, hat uns Reto Casty bereits einen Link mit dem Weg zu einer nahe gelegenen Waschanlage zugestellt. Die weissen Scania mit den verkleideten Rennaufliegern und auch der Anhängerzug sollen jederzeit einen sauberen Eindruck hinterlassen. Der Name ‹Sauber› verpflichtet! Auf der ganzen Fahrt, aber vor allem in der Nähe der Rennstrecke, wird uns oft zugewinkt und gehupt, die Fans sehen alles und stehen schon Tage vor dem Rennen am Eingang der Rennstrecke. Filmen, fotografieren alles und jeden. Viele sprechen uns an, ob wir eine Mütze für sie hätten. Wir verneinen jeweils, denn sonst müssten wir unendlich viele Mützen mitnehmen.»

Letzte Koordination schon vor der Einfahrt zur Formel-1-Strecke
Marco Mittner, seit 2017 für Sauber unterwegs und mittlerweile an jedem Europarennen dabei, hat bereits mit der Leitung vor Ort telefoniert und abgesprochen, wo welcher Lkw als erstes abgeladen wird. Auf einigen Rennstrecken, wie zum Beispiel in Zandvoort, sind die Platzverhältnisse sehr eng und es muss besonders gut organisiert und koordiniert werden. Stehen die Auflieger richtig hinter der Box, wird abgesattelt und die Zugmaschinen werden – meist ausserhalb des Renngeländes – geparkt. «Während wir beim Abladen helfen und sämtliche Flächen der Auflieger blitzblank reinigen, sind auch Reto Casty und sein Begleiter mit den Rennwagen auf dem Weg zur Rennstrecke. Marco Mittner hat sie bereits über allfällige Baustellen und andere wichtige Details des Anfahrtsweges informiert», so Rahel weiter.
Die Reinigung und das Abladen nehmen zwei Tage in Anspruch. Sind der Anhängerzug und die drei Zugmaschinen weggestellt, alles gereinigt und das Material am richtigen Platz deponiert, geht es für die Fahrer zum Flughafen, um nach Hause zu fliegen. Inzwischen ist es Mittwochnachmittag und bereits am Samstag reist eine achtköpfige Fahrergruppe wieder zum Rennplatz zurück.
«Am frühen Samstag fahren wir in Fahrgemeinschaften nach Hinwil. Ein Taxi bringt uns zum Flughafen Kloten und wir reisen wieder zurück auf die Rennstrecke. Der Samstag ist dabei relativ gemütlich, trotzdem gehen wir beizeiten schlafen. Auch der Sonntag ist noch zum Ausruhen da, aber sobald am Sonntagnachmittag das Rennen vorbei ist, beginnt für uns die Arbeit von neuem.»

Eine unglaubliche Athmosphäre
Spannung liegt in der Luft. Die unzähligen Fans belagern die Zäune rund um die gesamte Rennstrecke. Rund um die Box spürt man die Anspannung, Konzentration der Mechaniker und der Verantwortlichen. Fahren Gabriel und Nico dann noch Punkte ein, ist die Freude im gesamten Sauber-Team vor Ort unermesslich. Doch schon kurz nach dem Rennen beginnt mit grossem Eifer der Abbau der gesamten Infrastruktur. Jeder hilft mit und trägt dazu bei, dass die Ware so schnell wie möglich in den Lastwagen verstaut wird, um dann den Weg nach Hinwil oder direkt zur nächsten Rennstrecke unter die Räder zu nehmen.
Alles ist fast im Minutentakt festgelegt
Die Sattelzugmaschinen dürfen gegen 20 Uhr auf das Gelände fahren. «So können wir gegen 21 Uhr bereits Richtung nächstes Ziel losfahren. Dies dauert oft die ganze Nacht und den kommenden Morgen. Wer nicht fährt, versucht im Bett des fahrenden Lastwagens eine Runde zu schlafen, um dann später den Kollegen abzulösen. Fahren wir nach Hinwil, werden die Fahrzeuge erst gereinigt und betankt, bevor wir in der Sauber-Halle parken. Die Mitarbeiter des Werkes warten bereits auf unsere Ankunft, entladen sogleich die Lastwagen und bringen die Rennwagen sowie alle Ersatzteile in die verschiedenen Abteilungen. Langsam fällt die letzte Anspannung ab und man spürt die aufkommende Müdigkeit. Aber wir freuen uns bereits auf unseren nächsten Einsatz für das Sauber-Rennteam.»

Mit 13 neuen Scania für die Formel 1 unterwegs
Seit der vergangenen Rennsaison ist das Sauber-Motorsport-Team mit 12 Sattelzugmaschinen des Typs Scania 560S A 4×2 sowie einem Scania 560S B 6×2*4 NB Anhängerzug unterwegs. Die Fahrer loben vor allem die grosszügigen Platzverhältnisse in der Kabine. «Mir gefallen die schönen und übersichtlichen Armaturen. Lenkrad und Fahrersitz lassen sich vielseitig und praktisch verstellen, sodass ich richtig gut sitze, mich wohlfühle und entspannt fahren kann», sagt Marco Mittner. Reto Casty ergänzt: «Ich bin zuvor noch nie mit einem so leisen, kraftvollen und sparsamen Lastwagen gefahren. Der Treibstoffverbrauch ist unglaublich tief. Der Scania ist einfach nur top!»
Hohe Zuverlässigkeit ist ein Muss
Bei Sauber ist man auf zuverlässige Lastwagen angewiesen. Bis jetzt seien keine nennenswerten Probleme bei den Fahrzeugen aufgetreten. «Einmal musste eine kleine Reparatur an einem Fahrzeug vorgenommen werden, dies hat aber bestens funktioniert. Das Scania-Servicenetz hält, was es verspricht», meint Casty. Gute Vorbereitungen für die Fahrt sind aber notwendig, damit grössere Zeitverluste durch grosses Verkehrsaufkommen und Probleme am Zoll so weit wie möglich vermieden werden können.

Der hohe Komfort des Scania hilft den Fahrern während der Fahrt . Rückspiegel und sämtliche aktive und passive Assistenzsysteme tragen jederzeit zu einer sicheren Fahrt bei, sind sich die Sauber-Chauffeure einig. Einzig das Navigationssystem scheint etwas veraltet zu sein und ist gelegentlich etwas verwirrend, sodass sich Mittner eine zusätzliche Navigation für das Mobiltelefon gekauft hat. «Für Irrfahrten bleibt uns keine Zeit», meint er augenzwinkernd. Dafür gefallen der effiziente Retarder, die vielen Staufächer, die Bedienung des Lichts in der Tür und die vielen weiteren Menüfunktionen. Casty ergänzt: «Beim Scania ist jeder Schalter am richtigen Ort platziert.»
Kein Formel-1-Rennen wie das andere
«Um die Logistik in der Formel 1 verstehen zu können, braucht man mindestens zwei Jahre, da die Gegebenheiten von Rennen zu Rennen unterschiedlich sind und sich dadurch die Abläufe im Hintergrund ebenfalls nicht gleichen. Vor allem betrifft dies die Übersee-Rennen und die Luftfracht mitsamt möglichen Nachlieferungen. Es ist für mich auch nach 24 Jahren nach wie vor beeindruckend, was es alles braucht, damit ein Formel-1-Rennen gefahren werden kann. Es ist gewaltig, wie viel Infrastruktur da immer unterwegs ist», sagt Reto Casty. «Wir Fahrer sind nur ein kleiner Teil des Ganzen, aber auch unser Beitrag ist bedeutungsvoll. Mit Scania haben wir einen zuverlässigen Partner und bei allen Fahrern spürt man die Fahrfreude. »
Nachhaltigkeit gewinnt in der Formel 1 zunehmend an Bedeutung. Als Sport hat sich die Formel 1 klar zum Ziel bekannt, bis 2030 Net Zero zu erreichen. Die Treibstoffeffizienz der Scania-Flotte leistet hierzu einen ersten wichtigen Beitrag.
