Umwelttechnologien werden zur Schlüsselindustrie
IFAT Munich 2026 Rund 3400 Aussteller und 142’000 Besucher verwandelten das Münchener Messegelände vom 4. bis 7. Mai in ein globales Schaufenster für Wasser-, Recycling- und Kommunaltechnik.

Die strategische Relevanz von Umwelttechnologien war in den vergangenen sechs Jahrzehnten nie so deutlich wie heute. In Zeiten fragiler Lieferketten und geopolitischer Spannungen bieten sie Lösungen für mehr Resilienz und Rohstoffsouveränität. Auf 300’000 m² präsentierten Unternehmen aus 60 Ländern innovative Antworten auf drängende globale Herausforderungen.
Stefan Rummel, CEO der Messe München, bilanziert: «Die Rekordbeteiligung zeigt: Kreislauf- und Wasserwirtschaft ist die nächste globale Schlüsselindustrie.» Eine Studie der Boston Consulting Group stützte diesen Optimismus: Das Potenzial für die zirkuläre Bruttowertschöpfung könnte sich bis 2045 allein in Deutschland auf 125 Milliarden Euro mehr als verdoppeln – eine Entwicklung, von der auch die Schweizer Exportwirtschaft massiv profitiert. Die Messe forcierte bewusst den Dialog zwischen Industrie und Politik.

Massgeschneiderte Vielfalt für den Urban-Sektor
Unter dem Motto «One Scania, all the solutions» präsentierte der Hersteller ein breites Portfolio von hocheffizienten Verbrennern bis hin zu BEV-Lösungen. Technisch beeindruckte der neue, sparsame Super-11-Liter-Motor, der mit HVO oder Biodiesel kompatibel ist. Zu den E-Highlights am Stand gehörten ein 36P als Kehrmaschine sowie ein 40P-Absetzkipper mit 445 kWh Kapazität und Meiller-Aufbau. Für Kraneinsätze bietet Scania ein spezielles 27P-Fahrgestell mit repositionierten Batterien an, das Aufbauherstellern maximale Flexibilität gewährt. Auch die Biogas-Sparte war mit einem L 280 Müllsammler vertreten.
Wendigkeit und innovative Schnittstellen
DAF Trucks zeigte auf der IFAT das gesamte Spektrum kommunaler Anwendungen der neuen Generation – von Kehrmaschinen bis zu Kanalreinigern. Ein technologisches Highlight sind die extremen Lenkeinschläge von bis zu 53 Grad, die den Baureihen XD, XF und XB eine überragende Rangierfähigkeit verleihen. Das innovative Plug-&-Play-Schnittstellensystem wurde für den VAK-Innovationspreis 2026 nominiert, da es durch ein 50-mm-Lochraster hocheffiziente Aufbauprozesse ermöglicht.

Als Exponat am Stand überzeugte der vollelektrische XD 270 FAN (6×2) mit drei Batteriepaketen (315 kWh) und 270 kW Motorleistung. In Kombination mit dem Meiller Abrollkipper-System Tectrum RS21.70 unterstreicht DAF damit seine Kompetenz für emissionsfreie, urbane Entsorgungslösungen bei gleichzeitig maximaler Nutzlast.
Effizienz durch Schnellladung
Kärcher Municipal fokussierte auf die Erhöhung der Einsatzzeiten elektrischer Kommunalmaschinen. Die neue DC-Schnellladeoption mit 70 kW Spitzenleistung für die MC 250 e!ectric ist ein Gamechanger: Ladezyklen verkürzen sich um bis zu 55 Prozent. Damit ist es technisch möglich, die Kehrmaschine in der Mittagspause an öffentlichen DC-Säulen für Pw oder Lkw nachzuladen, was den Betrieb im Zwei- oder Drei-Schicht-Modell erlaubt.

Ein weiteres Highlight war die chemiefreie Unkrautbeseitigung «CityZAS», eine exklusive Partnerschaft mit der Group Verschueren. Das Anbaugerät nutzt Hochspannung von bis zu 8000 Volt, um Pflanzen bis in die Wurzel thermisch zu zerstören. Ein KI-basiertes 360°-Kamerasystem garantiert die Sicherheit: Nähert sich eine Person dem Drei-Meter-Sicherheitsradius, wird der Stromfluss sofort unterbrochen.
Neue E-Lkw-Generation und elektrische Radlader
Volvo Trucks präsentierte erstmals in Deutschland die neueste Generation des Volvo FM Electric. Ein 6×2-Abrollkipper mit Meiller RS21.70 Abrollkipper und einer Batteriekapazität von 540 kWh bildete das Zentrum des Auftritts. Volvo demonstrierte zudem den FM Low Entry als rein elektrisches Abfallsammelfahrzeug, das speziell auf die Bedürfnisse städtischer Entsorger zugeschnitten ist.

Ergänzt wurde der Stand durch Volvo Construction Equipment mit dem L90 Electric. Dieser 15-Tonnen-Radlader verfügt über separate Elektromotoren für Antrieb und Hydraulik, was volle Leistung bei gleichzeitigen Hubbewegungen ermöglicht. Mit einer 150-kW-Gleichstrom-Schnellladung ist der L90 in nur 70 Minuten wieder voll einsatzbereit.
Revolution am Strassenrand
Mulag setzte mit dem neuen Front-Auslegersystem FBX neue Massstäbe im Strassenbetriebsdienst. Das System bietet eine Reichweite von über acht Metern und eine beeindruckende Überfahrhöhe, was das Arbeiten hinter Leitplanken oder Hindernissen massiv erleichtert. Die innovative Geometrie schützt die obenliegenden Knickzylinder vor Beschädigungen. Zudem punktet das FBX-System mit einer optimierten Hydraulik, die Wartungsintervalle verlängert und die Betriebskosten senkt.

Sicherheit, Autonomie und vernetzte Systeme
Die Faun Gruppe präsentierte mit dem «Future Truck 2.0» und dem «Faun-AI-Cube» die digitale Zukunft der Entsorgung. Echtzeit-Datenverarbeitung ermöglicht eine 360°-Rundumsicht und greift aktiv in sicherheitsrelevante Abläufe ein. Bucher Municipal gab Einblicke in die autonome Kehrtechnik. Die CityCat VR17ae kann in definierten Arealen wie Werkshöfen vollständig autonom reinigen, entladen und den Akku nachladen. Parallel dazu stellte Bucher ein Head-up-Display (HUD) vor, das wichtige Arbeitsdaten direkt in das Sichtfeld des Fahrers projiziert.
Riesiges Potenzial für «Entdecker» von Umwelttechnologien
Überall gab es viel Innovationskraft zu entdecken. So präsentierte FFG Umwelttechnik den rein elektrischen Elephant e-power auf einem Volvo FM Electric, das ein Saugbagger-Highlight markierte. Ebenfalls auf E-Power von Volvo setzte DISAB mit dem Saugbagger Futurion Q10. Nicht weit entfernt standen bei Hako die multifunktionalen Citymaster- und Multicar-Baureihen im Fokus.

Zusammenfassend verdeutlichte die IFAT Munich 2026, dass Umwelttechnologie kein Nischenmarkt mehr ist, sondern ein relevanter Wachstumssektor, der Effizienzgewinne mit ökologischer Notwendigkeit verknüpft. Die nächste Ausgabe findet vom 29. Mai bis 1. Juni 2028 wieder in München statt.
