Daimler Truck: Kooperation für Wasserstoff-Verbrennungsmotor
DEFOSSILISIERUNG Daimler Truck und KEYOU bündeln ihre Kräfte für den Wasserstoff-Verbrennungsmotor im Schwerlastverkehr. Erste Fahrzeuge auf Basis des Mercedes-Benz Actros L sollen ab 2027 auf den Markt kommen.

Daimler Truck AG und die Münchner KEYOU GmbH haben eine Kooperationsvereinbarung unterzeichnet, um den Wasserstoff-Verbrennungsmotor als ergänzende Antriebslösung für den Strassengüterverkehr zur Marktreife zu führen. Die Partnerschaft setzt auf bewährte Serienfahrzeuge und -motoren als technische Basis, um eine schnelle und wirtschaftliche Markteinführung zu ermöglichen. Das erste gemeinsame Fahrzeug, die KEYOU HICE.40 Sattelzugmaschine, soll noch 2027 auf den Markt kommen.
Konkret ist geplant, dass Daimler Truck Mercedes-Benz Actros L 1848 Sattelzugmaschinen sowie die in Mannheim gefertigten Motoren auf Basis der bestehenden 12,8-Liter-Motorenplattform an KEYOU verkauft. KEYOU übernimmt anschliessend die technologische Adaption zum wasserstoffbetriebenen Verbrennungsmotor. Der Umbau der Fahrzeuge sowie die Integration des sogenannten KEYOU-inside Motors erfolgen durch qualifizierte externe Dienstleister.

KEYOU HICE.40: Bis zu 650 km Reichweite mit Druckwasserstoff
Die resultierende Sattelzugmaschine KEYOU HICE.40 ist für ein Gesamtfahrzeuggewicht von 40 Tonnen ausgelegt. Dank der 350-Bar-Druckwasserstofftechnologie soll sie eine Reichweite von bis zu 650 Kilometern erreichen. Mit einer Leistung von bis zu 350 kW und einem Port Fuel Injection-System (PFI) positioniert sie sich als robuste Lösung für den anspruchsvollen Schwerlastverkehr. Perspektivisch soll die Technologie auch auf weitere Fahrzeugbaureihen übertragen werden.
Neben der Fahrzeugentwicklung ist auch die langfristige Kundenbetreuung Teil der Partnerschaft. Daimler Truck und KEYOU planen, bestehende Service- und Wartungsstrukturen perspektivisch zu nutzen, um Flottenbetreibern ein hohes Mass an Betriebssicherheit und Verfügbarkeit zu bieten. KEYOU soll die Fahrzeuge künftig auch in Kombination mit Wasserstoff-Tankstelleninfrastruktur anbieten, die unter anderem durch Förderprogramme des Bundesverkehrsministeriums unterstützt wird.
Doppelstrategie: Wasserstoff-Verbrennungsmotor ergänzt Batterie und Brennstoffzelle
Daimler Truck verfolgt eine Doppelstrategie zur Dekarbonisierung seines Fahrzeugportfolios: batterieelektrische und wasserstoffbasierte Antriebe. Batterieelektrische Lkw eignen sich insbesondere für planbare Routen und decken einen Grossteil der Kundenanwendungen ab. Die Brennstoffzellentechnologie bietet Vorteile im flexiblen Fernverkehr – in Kombination mit Flüssigwasserstoff sind Reichweiten von deutlich über 1000 km bei kurzen Betankungszeiten realisierbar.

Der Wasserstoff-Verbrennungsmotor ergänzt dieses Portfolio durch seine hohe Robustheit, geringere Systemkomplexität im Vergleich zur Brennstoffzelle und den minimalen Anpassungsbedarf an bestehende Fahrzeugarchitekturen. Die Technologie ist besonders für Anwendungen mit hohen Nutzlasten geeignet und lässt sich kosteneffizient umsetzen, da vorhandene industrielle Strukturen genutzt werden können.
Im Hinblick auf die Energieversorgung sieht Daimler Truck Wasserstoff als wichtigen Faktor zur Diversifizierung: Angesichts der Importabhängigkeit Europas bei fossilen Energieträgern – derzeit über 50 Prozent der Primärenergie – kann Wasserstoff als global handelbarer und erneuerbarer Energieträger zur Versorgungssicherheit beitragen. Der parallele Aufbau einer Strom- und Wasserstoffinfrastruktur wäre dabei schneller und kosteneffizienter als der alleinige Ausbau des Hochspannungsnetzes.
Ab Ende 2027 sollen Wasserstoff-Verbrenner-Lkw skalierbar in den Markt eingeführt werden und so einen messbaren Beitrag zur Dekarbonisierung des Strassengüterverkehrs leisten.
