IAA Transportation 2026: Die Taktgeber der Branche

MESSERÜCKBLICK Vom 15. bis 20. September zeigte die IAA Transportation 2026 in Hannover eine Nutzfahrzeugbranche im Aufbruch: Während die etablierten Hersteller seriennahe Elektro- und Wasserstoff-Lkw lieferten, forderten sie den Ausbau der Ladeinfrastruktur. Ein Überblick zu den Neuheiten.

Bei MAN Truck & Bus lag das Hauptaugenmerk auf dem brandneuen Fernverkehrs-Elektrolastwagen eTGX.
Bei MAN Truck & Bus lag das Hauptaugenmerk auf dem brandneuen Fernverkehrs-Elektrolastwagen eTGX.

«Driving. People. Partner.« – Unter diesem Motto verwandelte die IAA Transportation 2026 das Messegelände in Hannover in das globale Zentrum des Strassengüterverkehrs. Mit 1589 Ausstellern aus 46 Ländern und über 140’000 Besuchern – darunter 113’000 Fachbesucher mit einem Rekordanteil von 40 Prozent aus dem Ausland – setzte die Leitmesse deutliche Zeichen für die Transformation der Logistik. Mehr als 150 Weltpremieren demonstrierten, dass die Nutzfahrzeugindustrie liefert. Besonders geschätzt wurde die Möglichkeit, Innovationen hautnah zu erleben: Bei 8500 Testfahrten, die teils direkt an den Ständen von Herstellern wie MAN Truck & Bus oder Volvo Trucks starteten, konnten sich Transportunternehmer von der Praxistauglichkeit neuer Antriebe überzeugen.

VDA-Präsidentin Hildegard Müller machte jedoch klar, dass die Politik nun in der Bringschuld steht: «Die CO₂-Ziele erfordern einen sofortigen Infrastruktur-Turbo bei Stromnetzen, Megawatt-Ladestationen (MCS) und Wasserstofftankstellen. Den Herstellern drohen sonst Strafzahlungen für Versäumnisse beim Netzaufbau.» Die technischen Lösungen stehen bereit, wie der vertiefte Rundgang bei den etablierten Schwerlast-Herstellern eindrücklich bewies.

Die «130 Years Trucks Edition» von Mercedes-Benz basiert auf dem neuen ProCabin-Fahrerhaus.
Die «130 Years Trucks Edition» von Mercedes-Benz basiert auf dem neuen ProCabin-Fahrerhaus.

Daimler Truck: Elektrischer Volumentransport und 130 Jahre Lkw-Geschichte

Daimler Truck feierte auf der Messe ein besonderes Jubiläum: 130 Jahre nach der Erfindung des Lastwagens durch Gottlieb Daimler im Jahr 1896 präsentierte der Konzern das Sondermodell «130 Years Trucks Edition». Die auf 400 Fahrzeuge limitierte Edition basiert auf dem ProCabin-Fahrerhaus und ist erstmals sowohl für den dieselbetriebenen Actros L als auch für den batterieelektrischen eActros 600 verfügbar.

Das eigentliche Publikums-Highlight war jedoch die Weltpremiere des Mercedes-Benz eActros Lowliner für den Volumentransport. Um die für Mega-Trailer erforderliche niedrige Aufsattelhöhe zu erreichen, integrierte Daimler Truck die LFP-Batteriepakete längs im Fahrzeugrahmen statt quer. Dadurch können Volumenauflieger mit bis zu drei Metern Ladeinnenhöhe gezogen werden, ohne die Gesamthöhe zu überschreiten.

Der Mercedes-Benz eActros Lowliner wird als 4×2-Sattelzugmaschine mit 4000 mm Radstand und 2,50 Meter breitem Fahrerhaus angeboten.
Der Mercedes-Benz eActros Lowliner wird als 4×2-Sattelzugmaschine mit 4000 mm Radstand und 2,50 Meter breitem Fahrerhaus angeboten.

MAN und Volvo: Elektro-Schwergewichte und Langstrecken-Angebote

MAN Truck & Bus präsentierte erstmals sein durchgängiges Elektro-Portfolio von 12 bis 50 Tonnen. Das unbestrittene Highlight auf dem Stand war die Weltpremiere des neuen MAN eTGX. Eine um 120 Millimeter nach vorne gezogene Fahrzeugfront nutzt die EU-Längenvorgaben optimal aus und verbessert sowohl Aerodynamik als auch die direkte Sicht. Als 6×2-Sattelzugmaschine mit siebter Batterie erreicht er bis zu 720 Kilometer Reichweite. Das MCS-Laden mit bis zu 750 kW erlaubt das Nachladen in rund 30 Minuten.

Volvo Trucks erweiterte die Grenzen der E-Mobilität im Schwersttransport: Mit der neuen Volvo FH Electric Nordic Combination stellt der schwedische Hersteller eine E-Lkw-Kombination für Gesamtzuggewichte von bis zu 80 Tonnen vor. Bei 64 Tonnen Gesamtzuggewicht erzielt das Fahrzeug Reichweiten von bis zu 450 Kilometern pro Batterieladung.

Der Volvo FH Electric für Gesamtzuggewichte bis 80 Tonnen eröffnet neue Möglichkeiten für die Elektrifizierung.
Der Volvo FH Electric für Gesamtzuggewichte bis 80 Tonnen eröffnet neue Möglichkeiten für die Elektrifizierung.

Renault Trucks und Scania: Hohe Reichweiten und Skateboard-Plattformen

Renault Trucks stellte das Modelljahr 2027 in den Mittelpunkt. Der neue Renault Trucks E-Tech T 780 erzielt dank neuer E-Achse und NCA-Lithium-Ionen-Batterien eine Reichweite von bis zu 660 Kilometern bei voller Nutzlast. Im LCV-Bereich feierte der Renault Trucks E-Tech Trafic Premiere, der auf einer reinen E-Skateboard-Plattform mit 800-Volt-Architektur basiert.

Tarcis Berberat, Vice President Region AdriAlps von Renault Trucks, zeigt uns den neuen DE13-R-Dieselmotor.
Tarcis Berberat, Vice President Region AdriAlps von Renault Trucks, zeigt uns den neuen DE13-R-Dieselmotor.

Scania zeigte unter dem Namen «Dynamic», wie elektrischer Fernverkehr auf Strecken von bis zu 720 Kilometern praxistauglich funktioniert. Die Schweden kombinieren dazu Fahrgestell-Batterien mit zwei zusätzlichen MP20-Batteriepaketen hinter dem Fahrerhaus für rund 356 kWh Zusatzkapazität.

DAF Trucks und Ford Trucks: Führende Effizienz und neue Perspektiven

Unter der Philosophie «DAF Transport Efficiency» präsentierte DAF Trucks umfassende Innovationen wie die neuen Flaggschiffe XG und XG+ Electric. Ford Trucks präsentierte unterdessen den überarbeiteten F-MAX Gen 2.0 sowie den vollelektrischen F-Line E, der als 4×2-Fahrgestell oder 6×2-Variante mit hoher nutzbarer Energie verfügbar ist.

Wo war Iveco? – Und ein Blick voraus auf Asiens Vormarsch

Ein auffälliges Detail in Hannover war das Fehlen eines Standes von Iveco, was vermutlich der internen Reorganisation nach der Übernahme durch TATA geschuldet ist. Branchenkenner erwarten die Marke 2028 zurück. Gleichzeitig drängen chinesische Hersteller wie BYD, FAW und Sinotruck mit innovativen Konzepten und aggressiver Preispolitik verstärkt auf den europäischen Markt.

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