Wasserstoffbusse Kärnten: 35 Busse für Postbus AG
WASSERSTOFFANTRIEB 35 alpentaugliche Niederflur-Überlandbusse der Österreichischen Postbus AG fahren seit dem 6. Mai 2026 in der Modellregion Villach – Wasserstoffbusse Kärnten mit dem elektrischen Antriebssystem VEDS 1.0 von Driventic.

Die Elektrifizierung des öffentlichen Personennahverkehrs in topografisch anspruchsvollem Gelände zählt zu den grossen Herausforderungen der Mobilitätswende. Rein batterieelektrische Systeme stossen im alpinen Verkehr oft an systemische Grenzen – zu stark sind die Belastungen durch lange Steigungen, ausgeprägte Höhenunterschiede und anspruchsvolle Bremsphasen. Die Wasserstoffbusse Kärnten, die die Österreichische Postbus AG am 6. Mai 2026 offiziell in Betrieb genommen hat, zeigen nun einen praxiserprobten Weg aus diesem Dilemma: 35 alpentaugliche Niederflur-Überlandbusse vom Typ MCV C127 FC LE übernehmen künftig den Liniendienst in der Wasserstoff-Modellregion Villach – angetrieben vom elektrischen Antriebssystem VEDS 1.0 des Antriebsspezialisten Driventic.
Barrierefreies Fahrzeugkonzept mit durchdachter Systemarchitektur
Der MCV C127 FC LE ist ein zweiachsiger Niederflurbus der 12-Meter-Klasse in der Fuel-Cell-Low-Entry-Ausführung. Das Low-Entry-Konzept kombiniert den barrierefreien Niederflurbereich im vorderen Fahrzeugteil mit einem erhöhten Heckbereich, in dem die wasserstoffführenden Hochdruckspeicher sowie das Brennstoffzellenaggregat untergebracht sind. Diese Raumaufteilung ermöglicht eine funktionale Trennung zwischen Fahrgastraum und Energieversorgungseinheit – bei gleichzeitig optimierter Achslastverteilung.
Das elektrische Antriebssystem VEDS 1.0 besteht aus einem HD-Motor mit 410 kW maximaler Leistung und einem Drehmoment von bis zu 3100 Nm. Die Antriebssteuerung übernimmt der VEDS 1.0 Traktionsstromrichter mit integriertem Bremssteller, was den Einsatz eines am Dach verbauten Bremswiderstands ermöglicht. Die Kommunikation mit der Fahrzeugsteuerung erfolgt über die Drive Management Unit (DMU), die über eine zentrale elektrische Schnittstelle (CEI) – die gleichzeitig als Service-Interface dient – mit dem Gesamtsystem verbunden ist. Die Fertigung des Antriebssystems findet grösstenteils am Entwicklungs- und Fertigungsstandort von Driventic im österreichischen St. Georgen statt, was für die Österreichische Postbus AG als Betreiber sowohl in Bezug auf heimische Wertschöpfung als auch auf die Servicequalität vor Ort relevant ist.
Höhentests auf alpiner Referenzstrecke bestanden
Das Drehmoment von bis zu 3100 Nm erweist sich für den anspruchsvollen Fahrbetrieb in alpinen Lagen als entscheidender Systemvorteil. Bei Steigungen über 10 % wirkt sich dieser Wert direkt auf das Anfahrverhalten und die Fahrplaneinhaltung aus. Im November 2025 wurde ein Prototyp des Fahrzeugs im österreichischen Alpenraum umfangreichen Höhentests unterzogen. Als topografisch besonders herausfordernde Referenzstrecke diente die Route Kematen in Tirol – Kühtai (2017 m ü.M.) – Ötztal Bahnhof. Die Strecke wurde mehrfach in beiden Fahrtrichtungen absolviert und deckte dabei sowohl Bergauffahrten mit langanhaltenden Hochlastphasen als auch Talfahrten mit ausgeprägten Bremsregenerationsphasen ab.
Wasserstoffbusse Kärnten: Infrastruktur und Projektpartner
Parallel zur Fahrzeuginbetriebnahme am 6. Mai 2026 wurde in der Wasserstoff-Modellregion Villach die erste Wasserstofftankstelle Kärntens eröffnet. Das Versorgungskonzept sieht eine intelligente Tankstelleninfrastruktur vor, die auf die spezifischen Betankungsprofile des Busbetriebs ausgelegt ist. Die Österreichische Postbus AG als grösster Busbetreiber des Landes bringt eine landesweite Netzpräsenz und hohe Breitenwirkung in das Projekt ein.
Alfred Gmeiner-Ghali, Head of Sales & Service bei Driventic Österreich, kommentiert das Projekt: «Wir freuen uns sehr, dass unser langjähriger Kunde Österreichische Postbus AG mit den MCV-Bussen erstmalig auch unsere elektrischen Antriebssysteme im Einsatz hat. Der hohe österreichische Wertschöpfungsanteil der eingesetzten Technologie erfüllt uns mit Stolz und unterstreicht unseren Anspruch, die Dekarbonisierung des Verkehrs nachhaltig mitzugestalten.»
Driventic ermöglichte Wasserstoffbusse in Kärnten: Antriebsspezialist mit Voith-Wurzeln
Driventic agiert seit dem 1. November 2025 als eigenständiges Unternehmen. Das Unternehmen mit Sitz in Heidenheim ist aus Teilen der Antriebssparte des Technologiekonzerns Voith hervorgegangen. Sämtliche Produkte, Systeme und digitalen Services von Driventic sind technologische Fort- und Weiterentwicklungen von Voith. Rund 1400 Mitarbeitende sind an 26 Standorten in 18 Ländern tätig. Das Produktportfolio umfasst neben dem elektrischen Antriebssystem VEDS auch das DIWA NXT Mildhybrid-System, das bewährte DIWA-Automatikgetriebe, Retarder, die Turbo-Retarder-Kupplung VIAB sowie das cloudbasierte Flottenmanagement Aladin Beyond.
