Elektrische Drehleiter: Weltneuheit an der Interschutz 2026
ELEKTRIFZIERUNG MAN Truck & Bus und Rosenbauer präsentieren an der Interschutz 2026 die erste elektrische Drehleiter der Welt unter 16 Tonnen – auf dem neuen eTGM-Chassis. Das IdF NRW erhält das Fahrzeug als erster Kunde.

An der Interschutz 2026 (1. bis 6. Juni in Hannover) haben MAN Truck & Bus und Rosenbauer eine echte Weltneuheit vorgestellt: Die erste Elektrische Drehleiter der Welt unter 16 Tonnen Gesamtgewicht. Basis des Fahrzeugs ist das neue vollelektrische eTGM-Chassis von MAN, auf dem Rosenbauer seine Drehleiter L32A-XS electric aufbaut. Das Fahrzeug unterschreitet erstmals die in Deutschland geltenden Gewichtsgrenzen für Feuerwehraufstellflächen – mit einem Gesamtgewicht von weniger als 16 Tonnen und einer Hinterachslast von unter 10 Tonnen. Gleichzeitig erfüllt es die Leistungsnorm DIN EN 14043 für vollautomatische Drehleitern der Klasse 23/12, wonach das Fahrzeug Personen aus 23 Metern Höhe bei einem waagrechten Abstand von 12 Metern retten kann. Das erste Einsatzfahrzeug wurde im Rahmen der Messe offiziell an das Institut der Feuerwehr Nordrhein-Westfalen (IdF NRW) übergeben.

Emissionsfreier Antrieb mit vollem Einsatzpotenzial
Das Herzstück des Fahrzeugs bildet der MAN eCD210 Zentralantrieb, der den Elektromotor und das MAN TipMatic 2-Gang-Getriebe vereint und in der Rahmenmitte positioniert ist. Er leistet 210 kW (285 PS) Dauerleistung und stellt ein Drehmoment von 800 Newtonmetern bereit. Ein drehmomentstarker mechanischer Nebenantrieb (mPTO) übernimmt den Antrieb der Drehleiter. Das speziell für Einsatzfahrzeuge entwickelte Fahrprogramm «Emergency» optimiert die Fahrdynamik zugunsten maximaler Beschleunigung.
Die Energieversorgung übernehmen zwei Lithium-Ionen-Batterien mit insgesamt 178 kWh Bruttokapazität (160 kWh nutzbar). Im urbanen Betrieb sind damit bis zu zehn typische Einsätze mit je rund acht Kilometern Fahrstrecke ohne Zwischenladen möglich; im ländlichen Bereich etwa vier Einsätze mit typischerweise rund 20 Kilometern Anfahrt. Das Laden per Gleichstrom mit bis zu 250 kW dauert rund 33 Minuten (von 5 auf 80 Prozent).

Elektrische Drehleiter für beengte Verhältnisse als Star an der Interschutz 2026
Die L32A-XS electric ist speziell für Einsätze in sehr beengten Situationen konzipiert. Das XS-Prinzip ermöglicht präzise Bewegungen des Leitersatzes auf engstem Raum – sowohl das stufenlose Aufrichten des Rettungskorbs entlang von Fassaden als auch das vollständige Drehen des Leitersatzes bei minimaler Ausladung. Das macht das Fahrzeug besonders geeignet für schmale Gassen und dicht verbaute Stadtgebiete, aber auch für Einsätze auf Flughäfen, in Werkfeuerwehren, im Schulungsbereich und sogar in Innenräumen.
Der neigbare Korbarm erweitert die Einsatzmöglichkeiten, insbesondere beim Anleitern von Fenstern und beim Arbeiten über Hindernisse hinweg. Die Hochleistungshydraulik sorgt für kurze Rüstzeiten. Das Fahrzeug verfügt über sechs Geräteräume mit Rollladenverschluss sowie eine vollständige LED-Beleuchtung von den Stützen über das Podium bis zum Korb. Der Rettungskorb trägt bis zu 500 kg (fünf Personen) und ermöglicht dank vollständig öffenbarer Korbfront auch den Transport von Personen im Rollstuhl. Eine integrierte Wasserführung sowie ein aufsetzbarer Wasserwerfer machen den Korb zudem für den Brandeinsatz tauglich.

eTGM: Modulares Fahrgestell für kommunale Aufbauten
Das MAN eTGM-Chassis basiert auf dem modularen MAN-BEV-Baukasten, dessen Komponenten – darunter Hochvolt-Architektur, Thermomanagement und Batteriesysteme – auch im 12-Tonner MAN eTGL sowie in den grösseren Modellen eTGS und eTGX mit bis zu 50 Tonnen Gesamtzuggewicht eingesetzt werden. Im eTGM lassen sich zwei oder vier Batteriepakete mit einer Gesamtkapazität von bis zu 356 kWh brutto verbauen, was Reichweiten bis zu 480 Kilometern ermöglicht. Aufbaufreundliche Schnittstellen, optimierte Radstände und der serienmässige mPTO machen das Fahrgestell ideal für anspruchsvolle kommunale Aufbauten.

Friedrich Baumann, Vorstand Sales & Customer Solutions bei MAN Truck & Bus, kommentierte: «Dank des modularen Batteriekonzeptes unserer Elektro-Lkw können wir alle Gewichtsanforderungen von 12 bis 50 Tonnen abdecken. Unser neuer MAN eTGM eignet sich perfekt für Aufbaulösungen bis 16 Tonnen und ist daher die ideale Kombination für dieses erste vollelektrische Drehleiterfahrzeug, das alle relevanten Feuerwehrnormen erfüllt.»
Marcel Völkert vom IdF NRW zeigte sich ebenfalls überzeugt: «Mit der L32A-XS electric steht uns nun auch eine Drehleiter unter 16 Tonnen zur Verfügung, die ohne zusätzliche Zulassungen oder Sonderprüfungen im regulären Betrieb eingesetzt werden kann. Das ist ein Meilenstein in unserer Ausbildungs- und Einsatzpraxis.»
