Alina Knüsel: Mit Präzision und Effizienz zu Gold
PERSÖNLICH Die 23-jährige Alina Knüsel hat ihren unkonventionellen Weg mit dem Europameistertitel gekrönt. Die Nutzfahrzeug-Mechatronikerin der NUFAG Zentralschweiz in Emmen beweist, dass Leidenschaft und Perfektionismus keine Geschlechterrollen kennen und Handwerk für sie pure Erfüllung bedeutet.

«Ich bin mega stolz, dass ich Mech bin. Ich weiss, was ich den ganzen Tag mache und dass es am Ende des Tages jemandem genutzt hat.» Wer Alina Knüsel über ihren Beruf sprechen hört, spürt sofort: Hier brennt jemand für das Handwerk. Doch der Weg der im Jahr 2002 geborenen Meierkapplerin war keineswegs vorgezeichnet. Als hervorragende Schülerin drängte man sie ans Gymnasium – die «Kanti» sollte sie fordern. Doch dort passierte das Gegenteil: Langeweile. «Fünf Tage die Woche auf eine Prüfung lernen und dann alles wieder vergessen, das war nichts für mich», erinnert sie sich.
Der entscheidende Impuls kam von einem Musikkollegen, der ihr das Schnuppern in der Werkstatt empfahl. Ohne jemals zuvor einen Schraubenschlüssel gehalten zu haben, packte sie die Faszination sofort. Während andere Frauen im Metier oft familiär vorbelastet sind, ist Alina die Erste in ihrer Familie, die diesen Weg einschlug. Aufgewachsen auf einem Bauernhof, liebt sie heute die Abwechslung: «Mich reizt es jedes Mal, wenn ich auf Panne darf, auch wenn draussen Schnee liegt, das macht den Alltag etwas spannender.»

An den EuroSkills 2025 in Herning setzte sie sich gegen sieben internationale Konkurrenten durch und holte Gold. Ihr Geheimnis? Ein Mix aus Leidenschaft und Genauigkeit. «Beim Schrauben denke ich schon immer an den nächsten Schritt. Das macht mich sehr effizient.» Die Vorbereitung auf den Wettkampf war intensiv: Gemeinsam mit ihrem Experten Damian Schmid trainierte sie über ein Jahr lang, unter anderem beim Diagnostikerkurs der Armee in Thun oder an Trainingsmotoren von Volvo Trucks.
Akzeptanz in einer Männerdomäne
Trotz ihres Erfolgs bleibt sie bodenständig, plant aber bereits den nächsten Schritt. Im Sommer 2027 zieht es sie nach Skandinavien zum Arbeiten, später könnte ein Ingenieurstudium folgen. Doch bis dahin geniesst sie ihre Freizeit vielseitig: Sie spielt Euphonium, ist in der Feuerwehr und betreibt Rollerderby als körperlichen Ausgleich. Und wenn sie nicht gerade an Kundenfahrzeugen arbeitet, schraubt sie an ihrem eigenen Oldtimer, einem Opel Corsa A GSi von 1993.
Alina Knüsel ist eben eine Macherin – durch und durch.
