Abenteuer mit dem Lastwagen: Hans Sigrists 50. Vortrag

VERANSTALTUNGSTIPP Fünfzig Jahre auf Achse, haarsträubende Orient-Pioniertouren und unzählige Anekdoten: Die Vortragsreihe «Abenteuer mit dem Lastwagen» von Hans Sigrist begeistert die Massen. Am 5. November 2026 folgt im Forum Lyss der 50. und letzte Vortrag – die wahrhaft letzte Chance.

Hans Sigrist 1968 am Zoll zwischen der Türkei und dem Iran. Damals war eine Rally von München nach Persepolis im Iran auf der Durchfahrt und Sigrist stand mit dem Lkw an der Grenze.
Hans Sigrist 1968 am Zoll zwischen der Türkei und dem Iran. Damals war eine Rally von München nach Persepolis im Iran auf der Durchfahrt und Sigrist stand mit dem Lkw an der Grenze.

[caption]

In meinem Heimatkanton Obwalden und an meinem früheren Wohnort Giswil wussten viele Leute, dass da einer war, der die Region 1968 verlassen hatte, um sich den legendären Orient-Pionieren anzuschliessen. Doch was hatte dieser Chauffeur fernab der Heimat wirklich erlebt? Wohin führten die Pisten damals genau, wie funktionierte die Verpflegung im Führerhaus unter widrigsten Umständen, und was war wahr an den Gerüchten über fatale Unfälle, Diebstähle oder harte Tage in türkischen Gefängnissen? Immer wieder forderten mich Freunde auf: «Hans, du musst ein Buch schreiben!»

So sah kombinierte Mobilität Ende der 1960er-Jahre aus – zumindest im Nahen Osten.
So sah kombinierte Mobilität Ende der 1960er-Jahre aus – zumindest im Nahen Osten.

[caption]

Die Anfänge eines Orient-Pioniers

Ein Buch wollte ich nie verfassen, doch ich besass eine reichhaltige Fotosammlung. Also gab ich dem Drängen nach, digitalisierte 220 historische Dias und Fotos, notierte die Eckdaten und stellte eine Bildpräsentation zusammen. Mein Berufsleben begann 1947 mit der Geburt in Sarnen und einer fundierten und soliden Ausbildung als Mechaniker und Fahrzeugschlosser. Während und kurz nach dieser Lehrzeit gab es in meinem Umfeld erschütternd viele Todesfälle junger Menschen – man könnte sagen, ich befand mich damals auf der Flucht vor dem Sensenmann.

Hans Sigrist (rechts) mit Orient-Fahrer Franz Fuchs, dessen Fahrten 1978 vom Bayerischen Rundfunk in einem Film dokumentiert wurden.
Hans Sigrist (rechts) mit Orient-Fahrer Franz Fuchs, dessen Fahrten 1978 vom Bayerischen Rundfunk in einem Film dokumentiert wurden.

1968 stellte mich der Transportunternehmer Willi Wüthrich in Lyss ein. Seine Bedingung war glasklar: «Hans, du sollst später die Werkstatt leiten, aber zuvor musst du alle Länder mit dem Lastwagen bereisen, sonst wird das nichts.» Die Strecke Schweiz–Teheran bestand damals noch aus 750 km ungeteerten Strassen und stellte extrem harte Anforderungen an Mensch und Maschine: Am Sonntag minus 36 Grad auf dem Tahirpass und am Mittwoch darauf plus 42 Grad in der Wüste am Persischen Golf.

Vom Führerhaus auf die Vortragsbühne

Bis 1988 blieb ich in diesen Funktionen für Wüthrich auf den Fernstrecken und in der Werkstatt tätig. Danach folgten zwölf Jahre bei der neu gegründeten Fankhauser AG in Studen, ehe ich die letzten zwölf Berufsjahre bei General Motors den Wiederaufbau des Nutzfahrzeuggeschäfts leitete. Die Premiere meines Vortrags «50 Jahre Berufsleben mit Nutzfahrzeugen in 34 Ländern» stieg am 4. Dezember 2022 im Pfadiheim in Sarnen vor der Relais-Sektion Les Routiers Suisses. Bereits damals fiel auf: Es kamen mehr als doppelt so viele Zuhörer wie zu einer normalen Versammlung.

1968 wurde Hans Sigrist vom Transportunternehmer Willi Wüthrich in Lyss eingestellt.

Zunächst tourte ich quer durch die Schweiz zu Routiers-Sektionen, Verbänden und Firmen. Bald kamen Gewerbe- und Oberstufenschulen hinzu. Über Facebook wurde schliesslich auch das Ausland aufmerksam, und die Anfragen weiteten sich rasch nach Deutschland und Österreich aus. In Hamburg kam es schliesslich zum Wiedersehen mit Jörn Siegmann. Der 81-jährige Hamburger Spediteur hatte mich einst als Disponent bei Wüthrich Lyss durch ferne Länder gelenkt. Mit seinem phänomenalen Gedächtnis korrigierte er prompt: «Hausi, es sind 36 Länder, nicht 34 – ich habe dich schliesslich auch nach Deutschland und Saudi-Arabien disponiert!»

Volles Haus in Dornbirn: Die Abenteuer der Orient-Fahrer begeistern noch heute die Massen.
Volles Haus in Dornbirn: Die Abenteuer der Orient-Fahrer begeistern noch heute die Massen.

Engagement für den guten Zweck

Eine Herzensangelegenheit war mir von Beginn an die Verwendung der Einnahmen. Der grösste Teil der Nettoerlöse floss an Einrichtungen für geistig und körperlich beeinträchtigte Menschen. Die Unterstützung ging an lokale Institutionen an den Veranstaltungsorten sowie an die Institution «Wohnen und Werken» in Worben – jener Gemeinde, in der ich 38 Jahre wohnte und lange als Gemeindepräsident amtete.

Auch im Setz Museum «Gestern, Heute, Morgen» legte Hans Sigrist in seiner Vortragsreihe einen Halt ein.
Auch im Setz Museum «Gestern, Heute, Morgen» legte Hans Sigrist in seiner Vortragsreihe einen Halt ein.

Die persönliche Bilanz erfüllt mich mit grosser Dankbarkeit. An den Abenden trafen sich Chauffeure wieder, die sich ein halbes Jahrhundert lang nicht mehr gesehen hatten. Am 5. November 2026 findet im Forum Lyss an meinem Wohnort mein 50. und definitiv letzter öffentlicher Vortrag statt. Wer die echten Geschichten der Orient-Fernfahrer noch einmal aus erster Hand und ungeschminkt erleben möchte, hat nun die allerletzte Chance dazu. Infos und Tickets: forumlyss.ch/event/hans-sigrist/ 

Visited 12 times, 12 visit(s) today

Weitere Beiträge zum Thema

Vorsprung in der Transportbranche
TIR transNews 
Newsletter
Nutzfahrzeuge und Transportbranche, Digitalisierung und Dekarbonisierung: Mit dem TIR transNews Newsletter sind Sie immer einen Schritt voraus.
anmelden!
Sie können sich jederzeit abmelden!
close-link