Der neue VW Transporter ist ein angenehmer Begleiter
FAHRBERICHT Im Februar 2025 lancierte VW Nutzfahrzeuge den komplett neuen Transporter. Wir durften zwei intensive Wochen mit dem Kastenwagen mit 150 PS starkem TDI-Vierzylinder und 8-Gang-Automatik verbringen. Und wie alle schönen Zeiten vergingen diese zwei Wochen leider viel zu schnell.

Vielleicht ist es nicht allen bekannt, weshalb wir es allein der Vollständigkeit halber nochmals erwähnen: Nach 75 Jahren baut Volkswagen Nutzfahrzeuge den Transporter zum ersten Mal nicht selbst, sondern lässt ihn bei Ford Otosan in der Türkei auf einer eigenen Montagelinie und nach eigenen Qualitätskriterien produzieren. Dies ist möglich, weil der neue VW Transporter und der Ford Transit Custom (beziehungsweise Caravelle und Tourneo Custom) als Kooperationsfahrzeuge entwickelt wurden und unter dem Blech und der Cockpitabdeckung in fast allem identisch sind.
Die Frage ist indessen: Wie weit konnte Volkswagen die Transporter-DNA in die neue Generation einfliessen lassen – und worin unterscheidet sich das Produkt von seiner Vorgängergeneration? Lassen wir mal Ausstattungsmöglichkeiten und Preisgestaltung beiseite und konzentrieren uns zuerst auf das Erlebnis.

Aufgeweckt und agil
Am deutlichsten zeigt sich der Unterschied zum Vorgängermodell beim Anlassen: Der Startknopf befindet sich oben an der Konsole zwischen den beiden Bildschirmen. Auch die digitale Cockpit-Landschaft aus den 12-Zoll-Instrumenten («Digital Cockpit» mit 30 cm Durchmesser) und dem 13-Zoll-Touchscreen kennen wir bereits aus dem Ford Transit Custom, doch die VW-Designer haben mit dem Interface, den Abdeckungen und Funktionselementen im markenspezifischen Auftritt einen derart guten Job gemacht, dass die enge Verwandtschaft nur absoluten Kennern auffällt. Das Multifunktionslenkrad und das Anzeigendesign widerspiegeln das Volkswagen-Feeling zu 100 Prozent. Alles andere ist VW-konform durchdacht und intuitiv bedienbar.
Der Transporter wurde für zahlreiche Termine in der ganzen Schweiz genutzt. Die 150 PS (110 kW) des 2-Liter-TDI-Common-Rail SCR-Dieselmotors lieferten zusammen mit der 8-Gang-Automatik eine äusserst erfreuliche Performance. Ob ganz vorsichtig rückwärts aus einem Parkplatz, permanent mit Autobahngeschwindigkeit oder zügig nach einem Stopp in einen Kreisel hinein – der Antriebsstrang beherrschte die ganze Bandbreite an Alltagssituationen virtuos, oder aus Fahrersicht: unauffällig.

Und auch in diesem Modell zeigte sich der Abstandsregeltempomat als empfehlenswertes Komfortfeature. Mehrmals pendelten wir zwischen Zürich und Bern – und mehrmals dümpelten wir mit dem zähfliessenden Stop-and-Go-Verkehr mit, manchmal lief es ganz flott, dann steckten wir plötzlich wieder in einem jener berühmten Staus ohne Anlass, sodass man die Geschwindigkeit rasch verringern musste – das einwandfrei funktionierende System nahm uns die ermüdende Aufgabe des konzentriert vorausschauenden Fahrens und immer mal wieder reagierenden Gasgebens und Bremsens ab. Lediglich wenn ein vorausfahrendes Fahrzeug die Autobahn verliess, zeigte sich der Fahrassistent kurz unentschlossen und bremste sicherheitshalber lieber ab. Doch mit einem Druck aufs Gaspedal liess er sich sofort übersteuern.
Dieselantrieb behält wichtige Rolle
Da Verbrenner auch die kommenden Jahre noch dominieren oder zumindest einen relevanten Anteil erreichen werden, wird der Dieselmotor für den «normalen» Transporter in drei Leistungsstufen angeboten. Die drei (vor der Lancierung) neu entwickelten 2,0-Liter-TDI-Vierzylinder leisten 110 PS (81 kW), 150 PS (110 kW) und 170 PS (125 kW). Der 110-PS-TDI ist nur mit einem 6-Gang-Schaltgetriebe verfügbar. Der 170-PS-TDI wird stets mit einer 8-Gang-Getriebeautomatik ausgeliefert. Nur den von uns gefahrenen 150-PS-TDI gibt es sowohl mit einem 6-Gang-Schaltgetriebe als auch mit 8-Gang-Getriebeautomatik.
Die TDI-Modelle ab 150 PS können auch mit dem Allradantrieb 4Motion bestellt werden. Eine Systemleistung von 232 PS (171 kW) stellt der mit einem stufenlosen CVT-Automatikgetriebe kombinierte Plug-in-Hybridantrieb (eHybrid) zur Verfügung.

In den drei Leistungsstufen 136 PS (100 kW), 218 PS (160 kW) und 286 PS (210 kW) gingen die E-Transporter mit serienmässigem Heckantrieb an den Start (unser Test-TDI wurde über die Vorderräder angetrieben). Die Nettokapazität der Batterien beträgt bis zu 64 kWh.
Der neue VW Transporter ab sofort noch variantenreicher
An der transport.ch präsentierte VW Nutzfahrzeuge erstmals in der Schweiz den neuen Transporter Pritschenwagen mit Doppelkabine – kurz «Pritsche DoKa» – mit 2169 mm langer und 1945 mm breiter Pritsche. Ihre Ladekante ist zwischen 956 und 980 mm hoch. Serienmässig mit langem Radstand, sechs Sitzplätzen und abklappbaren Alubordwänden ausgestattet, eignet sich die Pritsche DoKa ideal für den Team-Einsatz. Der neue Transporter Doppelkabine ist wahlweise erhältlich als Fahrgestell für individuelle Aufbauten oder als Pritschenwagen ab Werk.

Zur Auswahl stehen TDI-Motoren mit 110 PS (81 kW) oder 150 PS (110 kW) – letzterer auch mit optionalem Allradantrieb 4Motion und 8-Gang-Automatik. Neu ist auch die Pritsche DoKa als vollelektrische Variante in den Leistungsstufen 136 PS (100 kW), 218 PS (160 kW) sowie 286 PS (210 kW) bestellbar. Sie feierte auf der transport.CH 2025 ihre Schweizer Premiere. Die Hochvoltbatterie der stets heckgetriebenen E-Transporter hat auch hier eine Kapazität von 64 kWh (netto); bauartbedingt sind alle E-Transporter mit einem 1-Gang-Automatikgetriebe ausgerüstet.
In Kürze dürfen wir einen vollelektrischen VW Caravelle in Empfang nehmen. Die Erfahrungen und Eindrücke mit dem Personentransporter, der mit 210 kW / 286 PS starkem E-Antrieb sowie 64-kWh-netto-Batterie erhältlich ist, gibt es hier also ebenfalls bald zu lesen.
