Renault Group übernimmt die Führung bei Flexis

LETZTE MEILE Die Partner Renault Group, Volvo Group und CMA-CGM passen das Geschäftsmodell ihres Joint Ventures Flexis S.A.S. an. Die Volvo Group bleibt über Renault Trucks als strategischer Investor und Vertriebspartner an Bord, um ab 2027 eine neue Generation elektrischer Transporter zu vermarkten.

Die drei in Paris präsentierten Flexis-Modelle Step-in-Van, Cargo-Van und Panel-Van (von links)
Die drei Flexis-Modelle Step-in-Van, Cargo-Van und Panel-Van (von links; bei Renault heissen sie Estafette, Goelette und Trafic E-Tech Electric)

Die Volvo Group, die Renault Group und der Logistikriese CMA-CGM haben eine Vereinbarung zur strategischen Neuausrichtung von Flexis getroffen. Im Kern der Transaktion steht der Rückkauf der Anteile: Renault erwirbt die 45-prozentige Beteiligung der Volvo Group sowie die 10 Prozent von CMA-CGM an Flexis S.A.S.

Trotz der Verschiebung der Eigentumsverhältnisse betonen alle Parteien, dass die Zusammenarbeit und das Engagement für das Projekt unvermindert hoch bleiben. Die Volvo Group wird über ihre Marke Renault Trucks weiterhin als Partner und Investor agieren. Ab 2027 wird Renault Trucks die unter Flexis entwickelten Produkte über sein eigenes Händlernetz vertreiben. Dies wurde auch von der Schweizer Vertriebsorganisation bestätigt. Damit folgt das Projekt dem bereits erfolgreichen Geschäftsmodell für leichte Nutzfahrzeuge (LCV) der Marke Renault, bei dem Renault Trucks die Plattformen der Renault Group nutzt und für seine spezifischen Kundenbedürfnisse adaptiert.

Die Revolution der «Software Defined Vehicles»

Das im Oktober 2023 gestartete Projekt Flexis zielt darauf ab, den Markt für leichte Nutzfahrzeuge mit einer völlig neuen Generation von vollelektrischen Transportern zu revolutionieren. Das Herzstück ist eine sogenannte Software Defined Vehicle (SDV)-Plattform.

Die von Renault entwickelte batterieelektrische Skateboard-Plattform mit zwei unterschiedlichen Batteriegrössen bildet die Basis aller Fahrzeuge.
Die von Renault entwickelte batterieelektrische Skateboard-Plattform mit zwei unterschiedlichen Batteriegrössen bildet die Basis aller Fahrzeuge.

Im Gegensatz zu herkömmlichen Transportern ist die Architektur dieser Fahrzeuge primär auf Software und Vernetzung ausgelegt. Dies ermöglicht ein breites Ökosystem an massgeschneiderten Logistiklösungen, Echtzeit-Flottenmanagement und eine deutlich höhere Effizienz im urbanen Lieferverkehr. Die Partner reagieren damit auf den wachsenden Druck in der City-Logistik und die strengen CO₂-Vorgaben in Europa.

Die Modell-Offensive: Trafic, Estafette und Goelette

Bei den Flexis-Modellen handelt es sich um baugleiche Derivate der neuen elektrischen Renault-Palette:

  • Trafic E-Tech: Die elektrische Version des bewährten Transporters bildet die Basis.
  • Estafette: Eine Neuinterpretation des legendären Stadtlieferwagens, optimiert für den urbanen Kurierdienst mit Fokus auf Ergonomie und Konnektivität.
  • Goelette: Dieses Modell (dessen Name noch nicht abschliessend definiert ist) zielt auf höhere Nutzlastklassen ab und vervollständigt das Portfolio nach oben.

Einordnung und Marktausblick für Renault Group und Flexis

Obwohl Renault nun die Mehrheit übernimmt, bleibt die industrielle Basis breit abgestützt. Die Produktion wird im Renault-Werk Sandouville (Frankreich) erfolgen, in das bereits massiv für die neue Plattform investiert wurde.

Für die Volvo Group hat der Anteilsverkauf keine wesentlichen Auswirkungen auf das Konzernergebnis. Vielmehr erlaubt es dem schwedischen Konzern, sich auf die Vermarktung und den Service über Renault Trucks zu konzentrieren, ohne die volle operative Verantwortung für die Fahrzeugentwicklung tragen zu müssen. Renault Trucks hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2030 seine Verkäufe von leichten Nutzfahrzeugen zu verdoppeln.

Die Vereinbarung steht noch unter dem Vorbehalt der üblichen regulatorischen Genehmigungen, doch der Zeitplan für den Marktstart im Jahr 2026/2027 bleibt bestehen.

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