Trailer und Aufbauten: Mehr Effizienz und Nutzlast

IAA TRANSPORTATION 2026 Während Zugmaschinen im Rampenlicht stehen, entscheidet sich die Rentabilität oft am Heck: Moderne Trailer und Aufbauten punkten mit elektrifizierter Kühlung, cleverem Leichtbau und robuster Technik. So senken smarte Innovationen die Betriebskosten.

Der TECTRUM RS32 trägt 32 Tonnen. Quelle: zvg
Mit dem Tectrum RS32 erweitert Meiller seine RS-Baureihe um den leistungsstärksten Abrollkipper für besonders anspruchsvolle Anwendungen.

Während Lkw-Hersteller an emissionsfreien Antrieben feilen, rückt der gezogene Bereich in den Fokus: Vecto-Vorgaben, LSVA-/Mauttarife und Kostendruck machen Trailer zu zentralen Hebeln. Elektrifizierung und Leichtbau sichern Vorteile bei Betriebskosten und Nutzlast.

Nivalis: Elektrifizierte Kälte und handfeste OPEX-Vorteile

Einen vielbeachteten Technologieansatz im Kühltransport zeigte Nivalis Energy Europe mit Sitz in Luxembourg und Werk in Italien: Das modulare Plug-in-Hybridsystem nutzt dieselbe Batterie wie Fiat im e-Ducato und ermöglicht bis zu 15 Prozent weniger Treibstoffverbrauch der Zugmaschine bei einem gekühlten Sattelauflieger. Erste Prototypen debütierten 2024 auf der Transpotec in Mailand.

Einer der drei Emmi-Anhängerzüge mit Nivalis-Technologie konnte an der IAA in Hannover begutachtet werden.
Einer der drei Emmi-Anhängerzüge mit Nivalis-Technologie konnte an der IAA in Hannover begutachtet werden.

Projektmanager Pavel Gilman von Nivalis Energy Europe unterstrich im Gespräch: «Allen Kunden ist wichtig, dass sie ihre gewohnten Betriebsprozesse bei der Elektrifizierung beibehalten können. Zudem ist der Return on Investment zentral.» Bezüglich der Dekarbonisierung sieht Gilman die Branche noch in abwartender Haltung: Echte Umstellungen fänden kaum statt, weshalb monetäre Vorteile entscheiden. Gemäss Vecto-Tool müssen Trailer bis 2030 zehn Prozent Emissionen einsparen – viele Betreiber warten jedoch bis zuletzt.

Bei Nivalis fragen vor allem Finanzchefs an: Denn während ein Trailer zehn bis zwölf Jahre in erster Hand bleibt, amortisiert sich das System bereits nach zwei bis vier Jahren. Im Verteilerverkehr, wo Betriebsstunden des Aggregats statt Fahrkilometer zählen, senkt die Technik die Betriebskosten (OPEX) drastisch: «Pro Jahr und Auflieger lassen sich 8000 bis 10 000 Liter Treibstoff sparen», so Gilman. Trotz 30 Prozent Mehrpreis rechnet sich das System rasch. Den Praxisbeweis liefert Emmi Schweiz, die drei Züge im Sommer-Pilotbetrieb einsetzt und die Technik nahtlos integriert hat.

Ein besonderes Ausstattungsmerkmal des Meiller Tectrum RS32 ist die hydraulische Rollenauflage, die ein komfortables und materialschonendes Verschieben von Containern ermöglicht.

Meiller: Tectrum RS32 setzt neue Massstäbe im Schwerlastbau

Für extreme Belastungen im Baustellen- und Entsorgungseinsatz lieferte Meiller ein handfestes Highlight: Mit dem neuen Tectrum RS32 erweitert der Münchner Spezialist seine RS-Baureihe um den bislang stärksten Abrollkipper. Das Kraftpaket ist auf 32 Tonnen Nennlast ausgelegt und meistert den Dauereinsatz auf Deponien sowie bei schnellem Containerumschlag.

Rolf Niederhauser von der Meiller Schweiz AG in Rüthi betont: «Der Textrum RS32 ist die Weiterentwicklung unseres bewährten RK30. Mit zwei Tonnen mehr Nennlast und robuster Konstruktion schaffen wir Reserven für Einsätze an den Belastungsgrenzen.» KTL-Beschichtung und geschraubte Montage bürgen für hohe Wartungsfreundlichkeit. Für Sicherheit sorgt ein Unterfahrschutz, der ein klappbares System mit einem Scherenschutz kombiniert. Neben dem teleskopierbaren Ausleger (T) bietet Meiller die Version (TS / TSN) an, die flaches Aufziehen bei geringer Deckenhöhe und das Übersetzen auf Bahnwaggons erlaubt.

Komfort bietet die hydraulische Rollenauflage: Sie hebt Behälter beim Verschieben an, schont Chassis wie Aufbau, dämpft Schwingungen und senkt den Lärm bei Nachteinsätzen wirksam.

Beim Container-Sattelauflieger SDS 380 hat Fliegl Achspositionen und Radstand auf den E-Lkw-Einsatz optimiert.
Beim Container-Sattelauflieger SDS 380 hat Fliegl Achspositionen und Radstand auf den E-Lkw-Einsatz optimiert.

Fliegl: Konsequenter Leichtbau und Vorbereitung für E-Lkw

Wie sich Nutzlastgewinne durch Leichtbau erzielen lassen, zeigte Fliegl Trailer in Halle 27: Der SDS 390 RoadRunner Coil Ultralight ist mit einem Leergewicht ab 5460 Kilogramm der leichteste Coil-Auflieger am Markt – ermöglicht durch Spezialstahl und tiefgezogene Rahmenlöcher.

Besonderes Gespür bewies Fliegl beim Zusammenspiel mit alternativen Antrieben: Beim Container-Sattelauflieger SDS 380 wurden Achspositionen und Radstand an moderne E-Lkw angepasst. Da bei Batterie-Zugmaschinen die Sattellast oft geringer ausfallen muss, können Transporteure dank optimierter Lastverteilung die volle Nutzlast ausschöpfen. Vier (optionale) Wägezellen erfassen das exakte Liefergewicht.

Hendrickson feierte auf der IAA Transportation 2026 das 100-jährige Jubiläum seiner patentierten Walking-Beam-Federung.

Hendrickson: 100 Jahre Fahrwerkstechnik und MAN-Allianz

Dass Effizienz im Fahrwerk wurzelt, bewies Hendrickson zum 100-jährigen Jubiläum seiner Walking-Beam-Konstruktion. Im Fokus standen die Gummifederungen Ultimaax 21T und 26T für schwere Einsätze, die Fahrkomfort mit Robustheit und geringem Gewicht verbinden.

Auf der Messe verkündete Hendrickson die Partnerschaft mit MAN Truck & Bus: Die Ultimaax 21T Federung ist künftig ab Werk für MAN-Kipper und Fahrmischer in Europa verfügbar. Friedrich Baumann von MAN lobte die Verbindung aus Zuverlässigkeit, Leichtbau und Komfort. Hilfs- und Liftachsen wie MLA3 und Composilite EXS rundeten das Portfolio ab.

Die Premieren im Bereich Trailer und Aufbauten belegen: Wer Transporte rentabel gestalten will, muss das Gespann ganzheitlich betrachten. Intelligente Hybridkühlung, robuste Schwerlast-Systeme und konsequenter Leichtbau liefern die Hebel für tiefere Betriebskosten und spürbare CO₂‑Einsparungen.

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