Fraunhofer PAPURE: Klebstofffreie Papierverpackungen
KREISLAUFWIRTSCHAFT Nachhaltige Papierverpackungen ohne Klebstoffe: Fraunhofer-Institute entwickeln ein Verfahren, das mittels CO-Laser zuckerartige Spaltprodukte als Bindemittel nutzt. Die Technologie lässt sich nahtlos in industrielle Siegelprozesse integrieren.

Papier gilt in der Intralogistik und Verpackungsindustrie als nachhaltige Alternative zu Kunststoff. Doch ein entscheidender Nachteil blieb bislang: Um «Papierverpackungen» sicher zu verschliessen, waren stets Fremdstoffe wie Klebstoffe oder Kunststoffbeschichtungen nötig. Diese erschweren das Recycling und mindern die Qualität des Rezyklats. Das Fraunhofer-Projekt PAPURE präsentiert nun eine bahnbrechende Lösung: Ein laserbasiertes Verfahren, das Papier komplett klebstofffrei fügt.
Laser-Funktionalisierung für saubere Papierverpackungen
Das Prinzip basiert auf der gezielten Oberflächenmodifikation. Die Forschenden der beteiligten Fraunhofer-Institute nutzen einen Kohlenstoffmonoxid-Laser (CO-Laser), um die Papierbestandteile Lignin, Hemicellulose und Cellulose kurzzeitig zu erwärmen. Dabei entstehen aufschmelzbare, zuckerartige Spaltprodukte direkt auf der Papieroberfläche.
«Wir erzeugen quasi unseren eigenen Klebstoff in Form der Spaltprodukte», erklärt Volker Franke vom Fraunhofer IWS. Im anschliessenden Heisssiegelverfahren werden zwei Papierlagen durch Druck und Wärme stoffschlüssig miteinander verbunden. Die Ergebnisse sind beeindruckend: Eine nur sechs Quadratzentimeter grosse Verbindung kann Lasten von bis zu 20 Kilogramm tragen.

Integration in die industrielle Produktion
Ein zentraler Aspekt von PAPURE ist die Markttauglichkeit. Am Fraunhofer IWU in Dresden entsteht derzeit eine modulare papierverarbeitende Fertigungsanlage im Labormassstab, die den Prozess im industrienahen Rolle-zu-Rolle-Verfahren abbildet. Die Technologie ist so konzipiert, dass sich das Laser- und das Siegelmodul in bestehende Verpackungsmaschinen integrieren lassen. Dies bietet Maschinenbauern und Abpackern die Chance, als Vorreiter im Bereich «Green Packaging» zu agieren.
Untersuchungen zeigen, dass sich vor allem dickere Standardpapiere, wie sie für Einwegbecher oder Lebensmittelverpackungen genutzt werden, hervorragend für dieses Verfahren eignen. Bis zum Projektende im September 2026 soll die Anlage eine Geschwindigkeit von zehn Verpackungen pro Minute erreichen.
Interessierte Unternehmen können die Funktionsweise der PAPURE-Anlage live erleben. Die Fraunhofer-Forschenden präsentieren das Verfahren auf der Messe Interpack 2026 in Düsseldorf (Halle 4, Stand C54).

Schweizer Beteiligung und Pilotkunden
Aktuell befinden sich die Fraunhofer-Institute für das Projekt PAPURE in der Phase der industriellen Validierung. Während spezifische Namen von Pilotkunden aus Wettbewerbsgründen oft erst zur Markteinführung (geplant für Ende 2026) offiziell genannt werden, ist bekannt, dass das Fraunhofer IVV traditionell eng mit grossen Akteuren der Schweizer Lebensmittelindustrie sowie dem Schweizerischen Verpackungsinstitut (SVI) vernetzt ist. Besonders Unternehmen, die auf nachhaltige «Papierverpackungen» für trockene Güter (z. B. Teigwaren, Zucker oder Mehl) setzen, evaluieren derzeit die Integration des Laser-Fügens, um Klebstoffe vollständig zu eliminieren.
Schweizer Aussteller auf der Interpack 2026
Die Schweiz ist auf der Interpack 2026, die vom 7. bis 13. Mai in Düsseldorf stattfindet, gewohnt stark vertreten. Rund 100 Schweizer Aussteller sind gemeldet.
Besonders im Umfeld der Technologie-Lounge des VDMA (Halle 4), in der auch das PAPURE-Verfahren präsentiert wird, finden sich namhafte Schweizer Unternehmen aus dem Bereich Maschinenbau und Verpackungstechnik:
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AISA Automation Industrielle S.A.: Spezialist für innovative Verpackungslösungen und Tuben-Technologien.
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Bobst Mex SA: Einer der weltweit führenden Lieferanten von Anlagen für die Substratverarbeitung, den Druck und die Weiterverarbeitung (wichtig für die Skalierung von Papierlösungen).
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Sidel (mit Sitz in Hünenberg): Präsentiert in Halle 13 umfassende Lösungen für komplette Verpackungslinien und nachhaltiges Design.
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ALFA Klebstoffe AG / Jowat Swiss AG: Diese Unternehmen zeigen komplementäre oder alternative Ansätze zur Nachhaltigkeit, falls mechanische oder laserbasierte Fügeverfahren (noch) nicht anwendbar sind.
Klebstofffreie Papierverpackungen auch für Schweizer Unternehmen interessant
Für Schweizer Produzenten ist die Technologie vor allem unter dem Aspekt der EU-Verpackungsverordnung (PPWR) interessant. Da das Verfahren Fremdstoffe eliminiert, erreichen die so hergestellten Packmittel eine Recyclingquote von nahezu 100 %. Dies senkt künftige Entsorgungsgebühren und steigert den Markenwert bei umweltbewussten Konsumenten.





























